Tipps zum Einzug des neuen Vierbeiners:

Herzlichen Glückwunsch - der lang ersehnte Tag ist da und Ihr neuer Vierbeiner hält endlich bei Ihnen Einzug!

Damit dieses wichtige Ereignis auch möglichst reibungslos abläuft, möchten wir Ihnen an dieser Stelle noch ein paar Tipps aus unserem Erfahrungsschatz mit auf den gemeinsamen Weg geben. Ihr neuer Liebling ist mindestens genauso aufgeregt wie Sie, denn es kommt ja nicht alle Tage vor, dass er endlich in sein lange ersehntes Zuhause zieht!

Lassen Sie ihn in den nächsten Tagen in aller Ruhe ankommen und die unmittelbare Umgebung erkunden. So verständlich es auch sein mag, dass Oma, Opa, Onkel, Tante und die Nachbarschaft den Neuzugang kennenlernen möchten, verschieben Sie diese Ereignisse getrost auf einen späteren Zeitpunkt. Denn zunächst gilt es, dass der Vierbeiner komplett verinnerlicht, wer zu seinem neuen "Kernrudel" gehört und dass er eine enge Bindung zu IHNEN aufbaut. Er muss unterscheiden lernen, wer ein gelegentlicher Besucher ist und wer nicht, was er aber nicht kann, wenn er gleich zu Anfang mit einem ständigen Besucherstrom konfrontiert wird.

Vertrauen und Nähe aufbauen - das steht an allererster Stelle für die nächsten Tage!

Das Stichwort hierzu lautet immer wieder "liebevolle Konsequenz", was im Klartext bedeutet, dass Sie von Anfang an klare Regeln aufstellen sollten, auf deren Einhaltung Sie auch bedacht sein sollten. Eine wie auch immer geartete "Schonfrist" gibt es nicht, denn kein Hund versteht, dass er "übergangsweise auf das Sofa darf", Sie das zu einem späteren Zeitpunkt aber nicht mehr wünschen. Der Hund muss und soll wissen, wo er bei Ihnen dran ist, denn er ist von seiner Sozialstruktur her darauf ausgerichtet, "in klaren Verhältnissen leben zu wollen" - aber gleichzeitig soll er dabei verinnerlichen, dass er sich jederzeit sicher und geborgen unter Ihrer Obhut fühlen kann.

Hier ist weniger zunächst eindeutig mehr - also lassen Sie es langsam und entspannt angehen mit allen "zusätzlichen Dingen", die Sie ihrem neuen Gefährten zeigen und nahebringen möchten! Das bedeutet, dass das womöglich doch mehr oder weniger dringende Vollbad ebenso ein paar Tage Aufschub bekommen sollte wie der Besuch beim Hundefriseur oder sonstige eher ungewöhnliche Aktivitäten. Bevor die Hunde zu Ihnen kommen, unterziehen wir Sie zudem einer gründlichen tierärztlichen Abschlußuntersuchung, sodass in der Regel auch der erste Antrittsbesuch bei Ihrem Tierarzt einige Tage Zeit haben sollte. Natürlich kann es dennoch immer mal wieder vorkommen, dass der Hund unerwartete Auffälligkeiten zeigt und dann sollten Sie selbstverständlich nicht mit einem Tierarztbesuch warten!

Wenn Sie Kinder in der Familie haben, so ist es auf jeden Fall unabdingbar, von Anfang an darauf zu achten, dass das zunächst noch sehr große Rückzugsbedürfnis des neuen Hundes genügend Beachtung findet. So verständlich es ist, dass die Kinder vor lauter Freude "schier aus dem Häuschen" sind und so viel wie möglich mit dem neuen Familienmitglied spielen, toben und kuscheln möchten - bedenken Sie bitte, dass ein Hund damit schnell überfordert sein kann und einfach viel Ruhe braucht. Wenn der Hund sich in sein Körbchen zurückzieht oder mehrfach abwendet, sollte das immer ein klares Zeichen für die Kinder sein, ihn in Ruhe zu lassen. Es obliegt in dem Fall immer den Erwachsenen, hier regulierend einzugreifen, damit der Hund NIE in die Verlegenheit kommt, es selber tun zu müssen!

Zum einen lernt der Hund so, dass er sich jederzeit Ihrer Führung bedingungslos anschließen kann und dass Sie stets auch sein Wohlbefinden im Auge haben. Zum anderen nehmen Kinder bei einem Hund immer einen Sonderstatus ein, was aber keinesfalls bedeutet, dass sie einen sogenannten "Welpenschutz" geniessen und unantastbar sind (denn das ist tatsächlich sowohl im menschlichen als auch tierischen Zusammenhang ein absolutes Ammenmärchen!), ebenso wenig, dass der Hund den Weisungen eines Kindes Folge leisten kann oder wird! Kein Hund erkennt ohne weiteres die Autorität eines Kindes an, erst recht nicht eines noch sehr kleinen Kindes, noch weniger ordnet er sich ohne wenn und aber unter. All das muss er vielmehr lernen. Das dies auch für Enkelkinder, Neffen, Nichten und Nachbarskinder gilt, brauchen wir nicht gesondert zu betonen, oder?

Um ein harmonisches Miteinander von Kind und Hund zu erreichen, braucht es IMMER die klare Führung und Präsenz eines Erwachsenen, der sowohl Kind als auch Hund anleitet, achtsam miteinander umzugehen. Im Idealfall lernen also beide gemeinsam, sich aneinander zu orientieren und die gegenseitigen Bedürfnisse wahrzunehmen - dann steht einer lebenslangen, erfüllten Freundschaft sicherlich nichts im Wege!

Wenn bereits ein Tier in Ihrem Haushalt lebt, so sind wir Ihnen in der Regel im Rahmen der Übergabe des neuen Schützlings bei der Zusammenführung behilflich. Beachten Sie hierbei, dass sich das bereits im Haushalt befindliche Tier niemals zurückgesetzt fühlen darf, indem es beispielsweise konsequent immer als erstes gefüttert, gestreichelt und angeleint wird, egal, wie sehr der Neuankömmling zuweilen bemüht sein mag, sich in den Vordergrund zu drängen. Katzen sollten zudem genügend Rückzugsmöglichkeiten haben, um selber entscheiden zu können, wann und wieviel Kontakt sie haben wollen. Egal, wie sympathisch sich die Tiere sein mögen - sie brauchen einfach eine gewisse Zeit, sich an die jeweiligen Eigenarten des anderen zu gewöhnen und "richtige" Nähe zuzulassen. Erwarten Sie bitte nicht, dass gleich am ersten Abend zusammen im Körbchen gekuschelt, das Spielzeug großzügig geteilt oder aus einem Napf gefressen wird. Ganz im Gegenteil, sollten die Tiere zunächst lieber getrennt gefüttert werden, um einer möglichen Futterverteidigung, der sogenannten Ressourcenverteidigung, entgegenzuwirken, was ebenso für gemeinsame Spielzeugnutzung gelten kann. Ihr Neuzugang weiß nicht, dass er ab jetzt nur noch im Überfluß lebt - und Ihr bereits vorhandenes Tier muss das Teilen vielleicht auch erst noch lernen.

Die ersten Spaziergänge in der neuen Umgebung sollten in etwa immer gleich ablaufen, damit der Hund sich gut orientieren kann. Den "Rest der Welt" können Sie ihm immer noch zeigen - aber bitte zum richtigen Zeitpunkt. Verlassen Sie das Haus zudem nur mit einem gut gesicherten Hund, indem Sie ihn sowohl am Halsband als auch an einem gut sitzenden Brustgeschirr anleinen. Denn gerade in der ersten Zeit könnte er sich plötzlich erschrecken, unerwartet nach hinten ziehen und sich aus einem lose sitzenden Halsband befreien, was es unbedingt zu verhindern gilt! Immer wieder hört man leider von Fällen, wo ein Hund in Angst und Schrecken auf Nimmerwiedersehen verschwunden oder gar unter ein Auto gelaufen ist - nichts von alledem aber soll Ihrem Schützling geschehen!

Besonders ängstliche Hunde sollten dann zunächst ein sogenanntes Panikgeschirr tragen, wie es im gut sortierten Fachhandel erhältlich ist, beispielsweise von Ruffwear oder Camiro. Ein weiteres Hilfsmittel kann ein sogenanntes Thundershirt sein, eine spezielle Art Bandage, die dem Hund zusätzliche Sicherheit im Alltag gibt und ebenfalls im gut sortierten Fachhandel erhältlich ist. Zusätzlich bewährt hat es sich in dem Fall, im Haus zunächst einen Kurzführer am Halsband zu befestigen, um nicht immer von oben nach dem Hund greifen zu müssen, was ihn gegebenfalls unnötig ängstigen könnte.

Viele unserer Hunde verstehen bemerkenswert gut und schnell, was es bedeutet, stubenrein zu sein. Hier staunen selbst wir immer wieder, wie schnell sie auf absolute Reinlichkeit bedacht sind. Dennoch kann es immer wieder passieren, dass das eine oder andere Malheur an einer unerwünschten Stelle geschieht. Gerade ängstliche Hunde sind vielleicht manchmal viel zu aufgeregt, um sich draußen zu lösen, erst recht, wenn die Umgebung ihnen noch fremd ist. Es reicht ein unerwartetes Geräusch, um sie so abzulenken, dass sie sich alles weitere erstmal verkneifen. Es ist dann immer eine Frage der Geduld und des richtigen Timings des Menschen, hier für Abhilfe zu sorgen. Weiß man, dass der Hund eigentlich noch mal müsste, sich aber noch nicht gelöst hat, muss man gegegebenfalls eben noch mal zu einem späteren Zeitpunkt mit ihm rausgehen - auch wenn gerade der spannende Krimi angefangen hat oder Sie eigentlich schlafen gehen wollten. Und es hat noch nie geschadet, sich zu freuen wie ein Wolf, sobald der Hund an der richtigen Stelle sein Geschäft verrichtet hat! Klappt es anfangs nicht so recht mit der perfekten Verdauung, bedenken Sie bitte, dass Ihr Hund aller Wahrscheinlichkeit nach anderes Futter bekommt als bei uns auf dem Eifelhof und der Verdauungsapparat sich zunächst daran gewöhnen muss. Bieten Sie ihm nicht zu viele neue Dinge auf einmal an, auch wenn der Drang, den Hund verwöhnen zu wollen, vielleicht noch groß ist.

Wenn es der erste Hund ist, der in Ihrem Leben Einzug hält, ebenso wenn es ein Hund mit einer schwierigen Vorgeschichte ist, sollten Sie nicht zögern, einen versierten Hundetrainer hinzuzuziehen, der Ihnen in der Phase der Eingewöhnung mit Rat und Tat zur Seite steht! Ebenfalls sollten Sie nicht zögern, sich jederzeit ratsuchend an uns zu wenden, wenn sich die Dinge nicht ganz so (schnell) entwickeln, wie Sie sich das vielleicht vorgestellt haben. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und gar nicht so selten brauchen Sie mehr Zeit und Geduld, als ursprünglich gedacht. Ganz sicher haben wir noch einen Tipp für Sie und können gemeinsam das weitere Vorgehen überlegen. Denn eines soll ganz gewiss vermieden werden - nämlich dass Sie sich alleine gelassen fühlen und aus lauter Hilflosigkeit früher oder später keinen weiteren Weg mehr gemeinsam mit dem Hund sehen! Bedenken Sie immer, dass Sie sich aktiv für den Hund entschieden haben, während der Hund darauf angewiesen ist, dass Sie die richtigen Schritte für ihn einleiten!

Wie schon gesagt, die meisten unserer Schützlinge kennen das enge Zusammenleben mit einem Menschen, noch dazu in einer Wohnung oder einem Haus, noch nicht und müssen viele neue Eindrücke verarbeiten, einsortieren und umsetzen. Das geht manchmal nicht innerhalb von ein paar wenigen Wochen! Und kein Hund "benimmt sich extra daneben" - er hat einfach noch nicht gelernt und verstanden, was genau von ihm erwartet wird! Im Hinblick darauf, dass der Hund für viele weitere Jahre in Ihrer Familie leben wird, lohnt sich ein wenig Mehraufwand aber auf jeden Fall, oder? Legen Sie die Messlatte bitte nicht zu hoch an und lassen Sie sich auch nicht davon verunsichern, was Ihre liebe Umwelt dazu sagt - kein Hund ist wie der andere! Bitte haben Sie genügend Geduld - denn es lohnt sich auf jeden Fall! Glauben Sie uns, wir wissen, wovon wir reden!

Für diejenigen unter Ihnen, die gerne Dinge nachlesen und vertiefen möchten, haben wir an dieser Stelle noch ein paar Literaturtipps für Sie zusammengefasst, die allesamt sehr praxistauglich sind und Ihnen sicherlich von Nutzen sein werden auf dem Weg zum Dreamteam mit Ihrem neuen Gefährten:

Birgit Laser & Wibke Hagemann
"Leben will gelernt sein"
So helfen Sie Ihrem Hund, Versäumtes wieder wettzumachen Unbedingt empfehlenswert bei einem Hund aus dem Tierschutz,
der noch nicht so viel kennengelernt hat im Leben,
fast schon ein absolutes "must have"
Nicole Wilde
"Der ängstliche Hund"
Stress, Unsicherheit und Angst wirkungsvoll begegnen Speziell für Halter ängstlicher und unsicherer Hunde geeignet
Thomas Baumann
"Früh übt sich"
Praxisratgeber zum Umgang mit Welpen und Junghunden Hier lassen sich viele nützliche Dinge im generellen Umgang
mit dem Hund ableiten, zumal Hunde mit Vorgeschichte
oft wie ein Welpe eingestuft werden sollten
Thomas Baumann
"Ich lauf schon mal vor…"
Hundeerziehung und vieles mehr umfangreiches Standardwerk für alle diejenigen, die noch
mehr wissen wollen

Und nun wünschen wir Ihnen von ganzem Herzen eine bestmögliche und reibungslose Eingliederung Ihres neuen Familienmitglieders sowie viele, wunderschöne gemeinsame Jahre!

Ihr Team vom Eifelhof Frankenau

September 2015