zurück zur Übersicht 

Bonnie

Bouvier-Mix; Hündin; geb. 10/2015; Größe: ca. 55 cm

Bei der Namenskombination „Bonnie und Clyde“ denkt man automatisch an das gleichnamige Gangsterduo, das in Zeiten der Weltwirtschaftkrise die Vereinigten Staaten von Amerika unsicher gemacht hat.

Doch weit gefehlt, denn unser Duo hat, neben der derzeitigen Unzertrennlichkeit, wirklich so gar nichts mit den legendären Namenspaten gemein. Die beiden hatten vielmehr das Pech, einmal mehr zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort geboren worden zu sein und sie schätzen sich daher mehr als glücklich, nun in unserer Obhut gelandet zu sein.

Sie sind einmal mehr das schändliche Mahnmal menschlicher Willkür. Sie waren das Eigentum eines spanischen Schäfers, der sehr bizarre Vorstellungen darüber hatte, wie man einen Hund besonders wachsam bekommen könnte. Bei Hunden mit einem derart menschenbezogenen und super-freundlichen Charakter wie Bonnie und Clyde nützte es daher wenig, ihnen die Ohrenspitzen und die Schwänze abzuschneiden, sie so kurz anzuketten, dass sie kaum mehr Luft holen konnten, denn sie blieben einfach das, wofür der liebe Gott sie offensichtlich vorgesehen hat – nette und unkomplizierte Hunde, die so überhaupt gar nicht verstehen konnten, was dieser Unmensch eigentlich von ihnen erwartete. Einmal mehr aber blieb ihr Schicksal nicht unbeobachtet und so konnten sie dank aufmerksamer Tierschützer in unser spanisches Partnertierheim gelangen.

Jetzt sind sie bei uns und wir können kaum glauben, in welcher Unvoreingenommenheit sich Bonnie und Clyde uns präsentieren. Von der Optik her sind es zweifelsohne Hütehund-Mixe, möglicherweise mit einem gewissen Anteil an Bouvier – wer weiß das schon so genau? Aktuell sind die beiden, verständlicherweise, noch ein wenig scheu, insbesondere Bonnie ist noch etwas zurückhaltender. Doch beide Hunde kommen sofort an den Zaun geflitzt, sobald man sich ihrem Auslauf nähert und sind begierig auf jedwede Art von Menschenkontakt. Immer wieder strecken sie bettelnd ihre Pfoten durch den Zaun und pressen die Nase an das Gitter und wenn man in diese wunderschönen, reinen Augen blickt, kann man schier nicht fassen, wozu ein Mensch in seiner Borniertheit fähig ist.

Es ist immer wieder erstaunlich, welche innere Größe ein Hund haben muss, dass er nach so einer Vorgeschichte keinesfalls alle Zweibeiner über einen Kamm zu scheren gedenkt, wie es sicherlich sehr viele Menschen täten. Nein, Bonnie und Clyde sind vielmehr bereit, sich nun in aller Vehemenz endlich dem Leben zu öffnen und sie lernen in Rekordzeit. Natürlich ist ihnen hier gerade alles fremd, aber sie fügen sich ziemlich problemlos in unseren Tierheimalltag ein. Selbst die dringend nötige Badeprozedur haben sie klaglos über sich ergehen lassen – und leider hat der Erfolg auch nicht allzu lange angehalten. Denn Bonnie und Clyde sind viel zu glücklich, endlich der Kette entronnen zu sein, nach Herzenslust durch den Auslauf toben zu können und richtiges Gras unter den Pfoten zu spüren.

Sie haben nun ein ideales Alter, das Leben nochmal komplett neu zu bewerten und an der Seite von ruhigen und gelassenen Menschen Stück für Stück in die Gepflogenheiten eines deutschen Hundelebens eingeführt zu werden. Es ist sicherlich noch eine Menge „Aufbauarbeit“ vonnöten und der Besuch einer Hundeschule ratsam. Denn ihr bisheriges Leben wird doch recht eintönig gewesen sein, sodass hier viel Nachholbedarf besteht.

Die beiden können zwar zusammen vermittelt werden (was natürlich eine ganz besondere Herausforderung wäre), doch ist dies keine unbedingte Vermittlungsvoraussetzung. Sicherlich haben sie sich in ihrer Not zunächst sehr eng aneinander angeschlossen, doch es kann auch zum Vorteil beider Hunde sein, wenn sie nun einen getrennten neuen Wirkungskreis finden können.

Clyde, der ja der Forschere der beiden ist, kann sicherlich auch als Einzelhund zu bereits hundeerfahrenen und sensiblen Menschen vermittelt werden, die ihm die nötige Zeit zum Ankommen lassen. Es braucht einfach eine Weile, einem Hund wie ihm alles beizubringen – aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis er seine Vergangenheit überwunden hat.

Für Bonnie indes wäre es sicherlich schön, wenn bereits ein souveräner Ersthund – gerne ein bereits kastrierter Rüde – im neuen Zuhause wäre, an dem sie sich orientieren kann. Sie selber ist aktuell noch zu viel jung und unreif für eine Kastration, da sie ja praktisch gerade erst den Kinderschuhen entwachsen ist und es für ihren weiteren Reifungsprozeß nur von Vorteil ist, wenn sie zumindest 1 – 2 malig ihre Hitze durchlaufen kann. Natürlich sollte in dieser Zeit sehr verantwortungsbewusst mit ihr umgegangen werden, damit es zu keinem unerwünschten Nachwuchs kommt, ebenso, wie sie später zu einem geeigneten Zeitpunkt auch kastriert werden sollte. Ob Bonnie dauerhaft etwas zurückhaltender bleiben wird, hängt ganz sicherlich auch von ihrer neuen Umgebung ab. Für sie wäre vermutlich ein etwas ruhigeres Lebensumfeld von Vorteil, wo ihr durch eine für sie vorausschaubare Tagesstruktur die nötige Sicherheit gegeben werden kann.

Als Hütehund-Mixe eint die beiden jedoch wieder ihre herausragende Intelligenz und Neugier, die ihre entsprechende Auslastung und Betätigung suchen. Ein so junger Hund bringt viel Power und Schwung mit sich, was auch entsprechend dymamische „menschliche Gegenspieler“ fordert. Mit einer kleinen Runde um den Block werden sie keinesfalls zufrieden sein, sodass man sich hier als Mensch über die Art der Herausforderung durchaus im Klaren sein darf. Dafür bekommt man umgekehrt aber langjährige vierbeinige Freunde fürs Leben, die künftig durch Dick und Dünn mit einem gehen werden. Sie brauchen sich jetzt nur noch zu entscheiden, ob ihnen die sanft Bonnie oder der etwas draufgängerische Clyde lieber wäre – oder vielleicht doch sogar die Kombination von beidem!

BonnieBonnie BonnieBonnie BonnieBonnie