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Ole

Post von Ole: 02.01.2017, 2 Brief(e)

EKH, Katze, kastriert, 06/2013, ?

Unser kleiner, zarter Ole ist gerade mal zwei Jahre alt, aber schon ein wenig unser Sorgenkindchen. Der süße Tigerkater ist extrem scheu und gehört bei uns zu den sogenannten Phantomkatzen, die selbst wir kaum je zu Gesicht bekommen. Was es für eine scheue Katze aber bedeutet, bei uns im großen Katzengehege zu leben, zusammen mit vielen Artgenossen, die sehr selbstverständlich ihren Platz innerhalb der Gruppe beanspruchen und dabei keinerlei Rücksicht auf eine ängstliche Katze nehmen, können wir als Mensch nur mutmaßen. Ganz sicher bedeutet es ein ständiges hohes Stresspotenzial für Ole, auf das er mit permanentem Rückzug reagiert. Wenn er könnte, würde er sicherlich das Weite suchen, aber selbst das ist ihm nur bedingt möglich, indem er sich immer wieder versteckt.

Katzen wie Ole führen einem immer wieder eindrucksvoll das ganze Dilemma der Tierschutzarbeit vor Augen, die einerseits dazu führt, das Überleben der Tiere zu sichern, andererseits aber kaum Wahlmöglichkeiten lässt, die Tiere adäquat u nterzubringen. Ole bräuchte einen ruhigen Einzelplatz mit viel Zuwendung, wo er der alleinige kleine Prinz sein könnte. Niemand aber hat ihm bislang überhaupt je zeigen können, dass er für irgendjemanden von besonderer Bedeutung sein könnte. Er kennt vermutlich gar nicht die liebevoll streichelnde Hand eines Menschen, der es gut mit ihm meint. Er sucht daher Menschen, die bereits Erfahrung im Umgang mit einer so scheuen Katze haben und für es weder ungewöhnlich noch eine Zumutung ist, zunächst einfach in Ruhe abzuwarten, bis Ole aufgetaut ist.

Hilfreich zur Eingewöhnung wäre auch für unseren Ole ganz sicher eine bereits vorhandene Samtpfote im neuen Zuhause, die bereits sehr zugänglich zum Menschen ist. An deren Souveränität und Gelassenheit sich Ole orientieren könnte, um peu a peu an Sicherheit zu gewinnen.

Ole wird vermutlich eine ganze Weile lang zutiefst verschreckt unter dem Sofa kauern und nur im Schutz der Dunkelheit kurz herauskommen, um zu fressen und seine Geschäfte zu erledigen. Dieser s elbst gewählte Rückzug gibt ihm zunächst die nötige Stabilität, um sich in Ruhe mit der neuen Situation auseinanderzusetzen. Das ist für eine Katze ganz normal, denn es entspricht ihrem instinktiven Verhalten. Leider fehlt es den meisten Menschen in unserer schnelllebigen Zeit aber schlichtweg an Geduld, einfach mal einige Wochen abzuwarten, bis Ole sich von ganz alleine traut, eine Pfote in die neue Welt zu setzen. Dass er das tun wird, daran glauben wir ganz fest, denn jede Katze hat neben ihrer großen Vorsicht auch eine noch größere Portion Neugier im Gepäck, die früher oder später die Überhand gewinnen wird.

Für eine scheue Katze wie Ole gibt es zudem im Fachhandel sogenannte Pheromon Stecker oder Pheromon Sprays, die zur Erleichterung der Eingewöhnung eingesetzt werden können. Es werden dabei nur für die Katze wahrnehmbare sogenannte "Wohlfühlpheromone" in die Umgebung abgegeben, die die Stresssymptome des Tieres zu mindern verhelfen. Wichtig ist aber in erster Linie ein ruhiges und stressfreies Umf eld, in dem Ole zunächst komplett zur Ruhe kommen kann. In dem nichts von ihm erwartet wird, wohl aber alles für möglich gehalten wird. Seinem Tempo gemäß wird der kleine Ole sich ganz sicher peu a peu öffnen und sein wahres Wesen offenbaren.

Ganz sicher steckt auch in ihm ein kleiner, süßer Kobold, der einfach noch nie die Gelegenheit hatte, dieses Potenzial auszuleben. Für ihn stand in erster Linie tatsächlich bislang der tägliche Überlebenskampf an erster Stelle, denn auch bei uns kann er sich - aus seiner Sicht - nie sicher sein, wie der nächste Tag verläuft. So sehr wir uns das auch wünschen, aber wir können ihm nicht vermitteln, dass er bei uns in Sicherheit ist - zumal er täglich aufs Neue erlebt, dass er sich immer wieder unsicher fühlen muss, weil er von den großen Katern gescheucht wird. Das macht auch uns immer wieder ohnmächtig und traurig, denn auch wenn WIR wissen, dass wir Oles Leben gerettet haben, indem wir ihn bei uns aufgenommen haben, weiß ER das noch lange nicht! So sehr wir uns das auch wünschen, wir können ihm nicht das bieten, wonach er sich wohl am meisten sehnt - Ruhe und Frieden auf der ganzen Linie. Wir können nicht sagen, inwiefe rn Ole auf Dauer mit reiner Wohnungshaltung zufrieden wäre, zumal er sich bei uns auch gerne in das Freigehege flüchtet, um sich dort zu verstecken. Ob er das tut, um einfach den anderen Katzen auszuweichen oder weil er ein Frischluftfanatiker ist, vermögen wir nicht zu beurteilen. Ein katzensicher vernetzter Balkon wäre daher mindestens wünschenswert im neuen Zuhause.

Wir wünschen uns für diesen kleinen zauberhaften Kerl so sehr, dass auch für ihn das Leben endlich und wahrhaftig anfängt und er sich nicht immer nur gehetzt und auf der Durchreise fühlen muss. Doch dafür sind wir ganz klar auf die Hilfe und Geduld eines wahren Katzenkenners angewiesen, der in dem Fall tatsächlich bereit ist, im wahrsten Sinne des Wortes "die Katze im Sack" zu übernehmen. Es wird IHR Privileg sein, im Laufe der Zeit den wahren kleinen Ole Stück für Stück zu entdecken, wie wir ihn leider nie kennenlernen konnten, weil dafür für ihn die Rahmenbedingungen bei uns nicht stimmen. Doch wir möchten, dass Ole endlich flügge wi rd und wir würden uns unendlich freuen, wenn Sie uns im Nachhinein daran teilhaben lassen würden, wer Ole wirklich ist. Wir wissen, wie hoch dieses Ziel gesteckt ist - doch ihn in seinem neuen Leben angekommen zu sehen, wäre unsere größte Freude!

Ole Ole