Post von Noah

Brief vom: 14.05.2013

Liebes Tierheim-Team,
es sind nun fast schon 2 Monate, seit Ihr ehemaliges Sorgenkind Noah bei uns ist. Da ist es an der Zeit, Ihnen zu schreiben, wie es ihm bei uns so geht.

Seine anfängliche Scheu hat er schnell abgelegt, sowohl den beiden anderen Hunden als auch mir gegenüber. Zu meiner Frau hatte er eh von Anfang an ein recht vertrautes Verhältnis. Mittlerweile hat er seinen Platz im Rudel gefunden. Krümel, die große Hündin hat ihm mit ihrem Knurren ein paar Mal gezeigt, dass sie der Chef ist. Bei Jerry, dem kleineren Rüden hatten wir anfangs die Befürchtung, dass Noah ihn zu dominieren versucht, dies ist aber zum Glück nicht eingetreten. Mittlerweile können die beiden so ausgelassen im Stroh spielen, dass man nur noch an der Fellfarbe erkennt, wer da beteiligt ist. Beim Füttern und beim Verteilen von Streicheleinheiten drängt Noah sich immer noch ein bisschen in den Vordergrund, aber das ist schon deutlich weniger geworden. Er wird noch weiter lernen, dass hier kein Futterneid nötig ist genauso wie er schon viele andere Dinge schnell gelernt hat. In den ersten Tagen mussten wir z.B. getrennt mit ihm spazieren gehen, weil er auf keinen Fall ins Auto springen wollte. Also habe ich ihn insgesamt dreimal hinein heben müssen, danach hatte er dann verstanden, Auto fahren bedeutet Spazieren, Toben, Stöbern und Spielen. Seither ist er immer der Erste im Auto. Wir müssen mit ihm noch vorsichtig sein bei Dingen, die er nicht kennt. Er hat beispielsweise so viel Angst vor Traktoren, dass er sich schon mal aus dem Halsband gezogen hat. Mit ihm in die Nähe von Windrädern zu gehen, ist auch keine gute Idee, er hat panische Angst davor. Ansonsten können wir ihn genauso unproblematisch ableinen wie Krümel und Jerry. Beide Rüden haben zwar einen gewissen Jagdtrieb, sie bleiben aber alle drei zusammen in unserer Nähe und sind jederzeit abrufbar. Auf allen Wohnungs- und Haustüren stecken mittlerweile wieder Schlüssel, weil Noah überhaupt kein Problem damit hat Türen zu öffnen. Wir hatten früher schon einmal einen Hund, der mit den Vorderpfoten eine Klinke herunterdrücken und die Türe dann mit der Nase aufstoßen konnte. Noah's Technik ist aber weitaus ausgereifter, da er auch Türen nach innen öffnen kann. Es hat uns schon einen Schreck eingejagt, als er selbst die schwere Hoftüre so geöffnet hat, um seine Kumpels zu einem kleinen Ausflug auf die Strasse einzuladen. Zum Schlafen beansprucht Noah die gesamte Wohnung. Während Krümel und Jerry nachts bei uns im Schlafzimmer liegen, nutzt Noah alle Pads egal ob im Schlafzimmer, im Flur oder im Wohnzimmer. Gelegentlich sind auch nur Sessel und Sofas bequem genug für ein Nickerchen.

Sein Handycap betreffend haben wir anfangs eine kleine Enttäuschung hinnehmen müssen. Die Physiotherapeutin, bei der wir Noah vorgestellt haben, sieht keine Chance, ihn mit Therapien wie Elektrostimulation oder Magnetresonanz zu behandeln, weil sich das Metall in seinem Körper erwärmen und dann Schäden verursachen kann. Also beschränken wir uns jetzt auf Massage und Bewegungsübungen, um seine Hinterhand-Muskulatur weiter zu stärken. Von den normalen Hundewindeln zum Auffangen des Urins sind wir ganz abgekommen. Diese Windeln neigen dazu, nach hinten zu rutschen und die Penisspitze freizulegen. Damit ist der gewünschte Effekt dann weg. Wir haben uns sogenannte Rüdenwindeln besorgt, im Grunde einfache Bauchgurte, die -mit einer Einlage versehen- den Urin sehr gut auffangen. Für Noah haben diese Gurte noch 2 angenehme Nebeneffekte. Der Gurt ersetzt quasi den Schließeffekt. Nach den ersten Wochen hat die Blase angefangen, sich wie bei einem gesunden Hund zu füllen und Noah hat gelernt sich zu melden, wenn er dann Druck spürt. Nimmt man den Gurt dann weg, pinkelt er wie ein normaler Hund. Wir unterstützen das noch, indem wir die Bauchmuskulatur ein wenig massieren, damit er richtig entspannt. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass Noah nicht mehr versucht, den Penisbereich durch Lecken sauber zu halten. Wir haben mit diesen ersten Erfolgen seine Medikamente umstellen und insgesamt reduzieren können. Was den Kot angeht haben wir auch einen brauchbaren Zustand erreicht. Alle drei Hunden sind erfolgreich auf B.A.R.F. umgestellt. Gefüttert wird zweimal am Tag. Der Kot ist fest und kompakt, die Menge relativ klein und gut zu entfernen. Wir wollen noch etwas mehr Erfahrung sammeln, in welchen zeitlichen Abständen nach dem Fressen Noah sein Geschäft erledigen muss, aber auch mit dem jetzt schon erreichten Zustand kommen wir gut zu Recht.

Langer Rede kurzer Sinn: Wir glauben, dass Noah sich bei uns richtig wohl fühlt und wir würden ihn auch nicht wieder hergeben.

Viele Grüsse aus Erftstadt von
Dagmar + Thomas Lynen