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Balduin

Post von Balduin: 23.02.2021, 1 Brief(e)

Labrador Mix, Rüde, kastriert, geb. 01/2013, Größe: ca. 50 cm

Balduins Geschichte macht jeden Tierschützer betroffen. Er wurde als junger Welpe in eine Familie geholt und wuchs zunächst behütet auf. Doch dann ließ man sich scheiden und es scheint ganz so, als wenn Balduin oft ausbaden musste, dass sein Herrchen nun mit ihm alleine war.

Der junge Rüde ist super erzogen, fährt gut im Auto mit, apportiert für sein Leben gerne und ist einfach ein Traumhund.

Doch da er in seinem alten Zuhause teilweise bis zu 2 Stunden vor seinem gefüllten Futternapf warten musste, bis er endlich fressen durfte, hat er eine Futteraggression entwickelt. In seinem alten Zuhause hat er einmal den Bruder des Vorbesitzers gebissen, als dieser einen Kauknochen aus seinem Körbchen wegnehmen wollte. Also gleich zwei Ressourcen, die Balduin verteidigt hat. Ein anderes Mal wurde eine Schüssel mit Essensresten im Garten gereinigt und beim Versuch an die Krümel zu kommen, trat man Balduin mit dem Bein weg und er schnappte zu. Dies sind alles Vorkommnisse, die sich leicht erklären lassen und für die man kein Hundepsychologe sein muss.

Balduin wurde von seinem Exbesitzer einem harten Drill unterworfen, er durfte zum Beispiel seinen geliebten Ball nie mit ins Haus nehmen und wurde auch sonst sehr rüde und streng erzogen. So hat Balduin heute ein großes Problem mit Männern und knurrt sie erst einmal an, ganz nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung". Lässt man ihm jedoch Zeit und geht auf ihn ein, dann fasst er schnell Vertrauen und lässt sich dann auch von Männern anfassen.

Sein misstrauisches Verhalten spricht Bände, was er alles erlebt haben muss. Balduin scheint durchaus auch die dunklen Seiten des Lebens zu kennen. Als es dann zu besagten Beißvorfällen kam wollte man Balduin in ein Tierheim abschieben. Aufgrund der Vorgeschichte wollte jedoch kein Tierheim Balduin aufnehmen und der Besitzer entschied sich dazu, den Hund einzuschläfern! Der Besitzer hatte sogar schon ein Grab im Garten für ihn ausgehoben!!!

Eigentlich waren wir zu diesem Zeitpunkt schon sehr voll belegt , aber wir konnten Balduin nicht sterben lassen. Er war zu diesem Zeitpunkt nicht kastriert. Nicht unbedingt der beste Weg bei einem Rüden, der eine wie auch immer geartete Form von Aggression zeigt.

Und Balduin ist Epileptiker, war in seinen 5 Jahren vor dem Eifelhof aber nie beim Tierarzt, hatte keinen Impfpass und war auch nicht gechipt. Organisch konnten unsere Tierärzte keine Ursache für die Epilepsie finden. Jetzt er ist gut mit Medikamenten eingestellt und wird nun auch kastriert.

Doch der Tierheimalltag ist nicht gut für einen so stressanfälligen Hund. Und die Ausgangssituation für eine Vermittlung ist nicht gut für Balduin: großer schwarzer Hund, Epileptiker und hat schonmal zugebissen.

Doch wir geben die Hoffnung nicht auf, für diesen Prachtkerl ein endgültiges Traumzuhause zu finden. An der Futteraggression kann man arbeiten, zumal er hier bei uns noch nie Probleme gemacht hat. Er kann nach Eingewöhnung abgeleint werden und ist mit Hündinnen verträglich. Balduin bringt so viele positive Eigenschaften mit, dass es sich bestimmt lohnen wird, wenn man ihn genauer anschaut und vor allen sich auch auf ihn einlässt.

Er ist natürlich kein Anfängerhund und kann auch nicht zu einer Familie mit kleinen Kindern. Aber wer ein wenig Hundeerfahrung hat und bereit ist mit diesem Rohdiamanten zu arbeiten, der bekommt den treuesten Hund der Welt.

Balduin Balduin
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