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Samu (ehem. Pauli)

Post von Samu (ehem. Pauli): 20.09.2016, 3 Brief(e)

Mischling, Rüde, kastriert, geb. 07/2011, Größe: ca. 55 cm

Mischlingsrüde Pauli ist ohne jeden Zweifel ein Traumhund zum verlieben. Doch fernab seiner bezaubernden äußeren Erscheinung sucht und braucht er die Menschen, deren Liebe auch noch für einen zweiten Blick reicht und auf Dauer Bestand hat. Denn, aus einem osteuropäischen Tierheim zum Eifelhof kommend, hat er eine Lebensgeschichte im Reisegepäck, die Zeit, Geduld und echtes Verständnis benötigt, um wirklich neu geschrieben zu werden. Eines ist dabei jedoch zumindest jetzt schon sicher - sie kann und sie wird es, mit der richtigen Hilfestellung. Diese ist nötig, keine Frage, denn derzeit kennt und weiß Pauli noch gar nichts. Nichts von der Welt, nichts vom Leben und nichts von den Menschen im Allgemeinen und erst recht nichts über sich selbst im Speziellen. Zusammen mit seiner Schwester lebte er in seinem Herkunftsland als unbeachteter und wenig umsorgter Hofhund, bis es für Beide keinen Platz mehr gab und ihr Weg sie in eine der zahlreichen hiesigen Massenauffangstationen für Tiere führte. Dort abgeli efert saßen Beide erstarrt und wie festgenagelt monatelang an der immer gleichen Stelle und versuchten so diese "Lebens"Situation irgendwie zu überstehen. Von immerwährender Eintönigkeit, Langeweile, Begrenzung und Mangel mal abgesehen, ist der Stress der unter hunderten, ständig wechselnden Hunden herrscht, mit Worten wohl kaum wirklich zu beschreiben. Das durch die permanente allgegenwärtige Bedrohung eine unvorstellbare Angst das Leitgefühl dieser Tiere sein muss, ist dabei jedoch aber ganz sicher gut nachzuvollziehen. Verständlich also, das Pauli ebenso wie seine Schwester, den kompletten Rückzug in sich selbst als seine Überlebensstrategie ansah, während wieder andere Hunde unter diesen Umständen möglicherweise die Offensive wählen. Pauli aber hat vermutlich bereits zuvor kaum Gutes erfahren dürfen, zudem nicht besonders viel und positiven Menschenkontakt kennenlernen können und ein so sensibles Wesen, dass es aus seiner Sicht keinen Sinn machen konnte, für etwas zu kämpfen das ihm ebenso fremd wie ohne hin unerreichbar zu sein schien. Diese tiefe Resignation, mit der Pauli tagein tagaus in sich zusammengesunken in seinem Zwinger in der Ecke saß, war es, die die Herzen der Tierschützer vor Ort immer wieder neu so sehr berührte, dass sie mit der Bitte Pauli zu übernehmen an uns heran traten, um ihm damit die Chance auf eine lebenswerte Zukunft zu geben. Umso mehr, da seine Schwester bereits vor einigen Monaten zu uns auf den Eifelhof hatte kommen können und schnell ein Zuhause fand. Obwohl die Tiere denen wir auf diese Weise helfen können, gemessen an der Gesamtanzahl, immer nur ein verschwindend geringer Teil sind und wir dabei erst Recht auch kaum noch alle möglicherweise bestehenden Familienbande berücksichtigen können, war es im Falle von Pauli aber etwas anders. Das Band zu seiner Schwester, mit der er sein bisheriges Leben geteilt hatte, war ganz offenbar eng und stark genug, um auch nach einer räumlichen Trennung und über die Distanz von hunderten Kilometern Bestand zu haben. Für Pauli bedeutete der Verlust seiner Lebenspartnerin, insbesondere unter den katastrophalen Lebensumständen unter denen er sich befand, den endgültigen Weg in die komplette Selbstaufgabe. Aber auch seine Schwester, eigentlich längst in einem neuen Leben angekommen, signalisierte ihrem Menschen an jedem Tag das es da noch irgendetwas aus ihrem Vorleben gab, das sie, jeder neugewonnen Freude und Lebensqualität zum Trotz, nicht einfach so loslassen konnte. Keinesfalls ging oder geht es dabei aber um ein erneutes Zusammenleben, sondern vielmehr um die große Chance auch für den kleinen Bruder, auf ein erfülltes neues Leben an der Seite liebevoller Menschen. Geschwister leben für gewöhnlich ja nun mal oft nicht lebenslang zusammen, doch bleiben sie im Herzen meist immer fest verbunden, auch dann noch wenn die Lebenswege in völlig verschiedene Richtungen führen. So in etwa ist es wohl auch mit dem kleinen Pauli und seiner großen Schwester. Eigentlich unmöglich das tatsächlich zu ignorieren und so blieb uns letztlich nur, auch für Pauli das Ticket für die Reise in ein neues Leben einzulösen. Auf dem Eifelhof angekommen zeigte er sich uns in den ersten Tagen in sich zurückgezogen und wirkte wie innerlich erstarrt. Doch hinter dieser Fassade konnten wir vom ersten Moment an auch eine zögerliche Kontaktaufnahme sehen, die uns unmittelbar erahnen ließ wo der Weg mit Pauli hinführen kann und wird. Verhalten interessiert folgten uns seine Blicke von Anfang an und entstand daraus mit jedem Tag ein Stückchen Herzensöffnung mehr. Inzwischen traut Pauli sich auch schon uns mal ein wenig direkter anzuschauen und beobachtet aufmerksam was um ihn herum passiert. Immer noch sehr schüchtern, keine Frage, aber auch mit einer immer größeren Neugier. Vorsichtig aber mutig geht er die ersten Schritte auf dem unbekannten Terrain der großen neuen Welt. Schaut man ihm dabei zu hat man das Gefühl als würde Pauli nicht wissen wie sich der Boden unter seinen Pfötchen anfühlen mag und das man auf ihm gehen kann. Ebenso, wie er wohl gar nicht so genau weiß, dass sein e eigenen Beine es sind, die ihn tragen und auf denen er stehen kann. Ein Bild das uns im Herzen tief berührt, aber auch eines, das uns den festen Glauben daran gibt, Paulis resignierte äußere Schale in jedem Fall knacken zu können. Was darunter dann zum Vorschein kommen wird, meinen wir schon jetzt zu erahnen. Ein Traumhund zum verlieben eben. Sensibel, sanftmütig, ausgeglichen, an seinem Rudel orientiert und doch ganz sicher auch mit einem guten Maß an Energie und Lebensfreude. All das sehen wir in dem kleinen Rüden Pauli, ebenso wie seine grundsätzliche Bereitschaft sich dem Leben und den Menschen zu öffnen. Viel zu groß ist schon jetzt sein Interesse, als das er es nicht wollen würde. Doch er braucht Helfer an seiner Seite, die für ihn nicht nur Wegbegleiter, sondern auch Wegbereiter sind. Neben den Menschen, denen bewusst ist das dieser Weg einer der vielen kleinen Schritte sein wird, wäre ein souveräner bereits vorhandener Artgenosse eine unbezahlbare Bereicherung. Weil er Erleichterung, Halt und Orie ntierung bietet und die Türen zu Paulis innerer Welt öffnen kann, die den Menschen anfangs möglicherweise noch verborgen bleiben. Pauli orientiert sich sehr an der Hündin mit der er bei uns lebt, ist es ihm letztlich ja aber auch absolut vertraut sein Leben mit einem Artgenossen zu teilen, dessen Geschlecht grundsätzlich egal wäre. Auch andere Tiere in seinem neuen Zuhause stellen für ihn wahrscheinlich kein großes Hindernis dar und wird er ihnen die gleiche Daseinsberechtigung einräumen, die er sich selber wünscht. Vorhandene Kinder müssen in jedem Fall etwas älter und ebenso hundeerfahren sein wie die erwachsenen Menschen in Paulis neuer Familie, die idealerweise aber über ein ruhiges Lebensumfeld verfügen sollte. Auch etwas Erfahrung mit schüchternen bzw. ängstlichen Hunden wäre wünschenswert und von Vorteil. In jedem Fall bedarf es aber des festen Willens und der Bereitschaft, Pauli in Ruhe ankommen zu lassen und zu akzeptieren, dass seine inneren Grenzen sich vermutlich nur langsam ausdehnen werden. We nn auch in seinem Tempo, so werden sie es aber ganz sicher, wenn die Menschen, die Pauli eine Chance geben wollen, eben jenes besondere Verständnis in sich tragen, das es Tieren wie Pauli möglich macht sich ganz von selbst öffnen zu können. Dort, wo alles für möglich gehalten, aber nichts erwartet wird, zumindest nicht in einer menschlich definierten Zeit, ist der Rahmen ideal vorgegeben, in dem Pauli auspacken kann, was in ihm steckt. Den Herzensbrecher, der er ungesehen im Verborgenen schon immer war und der sich nun aufmachen darf die Welt und das Leben zu erobern. Denn endlich entdeckt zu werden ist einzig das, was er, der Übersehene und der stille Meister der endlos geduldig Wartenden so sehr verdient hat.

Samu (ehem. Pauli) Samu (ehem. Pauli)