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Sam

Dackel-Mix, Rüde, kastriert, 07/2007, ca. 30 cm

Für unseren Sam wünschen wir uns ganz besonders, dass das Glück endlich bei ihm Einzug halten kann. Auch ihn haben wir von einem befreundeten ungarischen Tierschutzverein übernommen, der sich für die Ärmsten der Armen einsetzt. Genau dazu zählt auch Sam, was alleine sein Äußeres unmissverständlich zeigt. Ihm fehlt die komplette linke Ohrspitze, während der Rest des Ohrlappens derbe vernarbt ist. Wir können nur mutmaßen, unter welchen Umständen er diese eingebüßt hat. Oftmals kommt es in der drangvollen Enge der osteuropäischen Tierheime und der ständigen Futterknappheit zu Kämpfen der Hunde untereinander, wobei die kleinen Hunde hier naturgemäß immer einen ungleich schwereren Stand haben. Generell haben es die kleinen Hunde, erst recht im etwas fortgeschrittenen Alter, sehr viel schwerer, ihr Auskommen unter diesen Lebensbedingungen zu finden. Sam wird versucht haben, sehr viel über die verbale Ebene zu regeln, was wir alleine an seinem derzeit stets heiseren Gebell ausmachen können. Er wird seine St immbänder, vermutlich jahrelang, über die Gebühr strapaziert haben.

Wie Sam es geschafft hat, all diese Zeit unter diesen Umständen sein Auskommen zu finden, wird wohl auf immer sein Geheimnis bleiben. Ebenso, wie er sich seine grundsätzliche Menschenbezogenheit bewahrt hat, denn genau so erleben wir ihn nun. Ganz leugnen kann auch er seine typischen Dackeleigenschaften nicht, weder optisch noch vom Verhalten, aber das macht ihn ja gerade für Dackelliebhaber - oder die, die es werden wollen - so einmalig und unverwechselbar. Sam ist umgangssprachlich das, was man eine "echte Type" nennt und eigentlich sucht er nun genau solche Menschen. Denen Konventionen nicht so wichtig sind, ebenso wenig wie ein makelloses Aussehen. Die wissen, dass die wahren Werte nicht davon abhängen, ob man irgendeinem Schönheitsideal entspricht, denn das bedeutet ja meist, dass man sich viele Dinge im Leben versagen muss. Genau das hat Sam keinesfalls mehr vor, denn eigentlich möchte auch er nun endlich entdecken, was es bedeutet, wenn einem das Leben ab und an mal eine Extrawurst serviert! Er sehnt sich nach einem geborgenen Plätzchen auf dem Sofa neben seinen Menschen, die mit ihm zusammen eine gemütliche Art des "Savoir vivre" ausleben, auf das er selber so lange verzichten musste. Sam ist es dabei nicht mehr so wichtig, akkurat bei Fuß laufen zu lernen, was sich ja ohnehin einem Dackel nicht immer wirklich erschließt. "Wozu der Stress?", wird er sich vermutlich fragen und man kann es einem Hund wie ihm kaum verdenken, auf solche Nebensächlichkeiten nicht mehr allzu großen Wert zu legen. Wer jahrelang um sein bloßes Überleben kämpfen musste, dem sei es gegönnt, dass er für die zweite Lebenshälfte mal Fünfe gerade sein lässt.

Zu seinen neuen Menschen aber wird er eine so enge Bindung aufbauen, dass er sie förmlich nicht mehr aus den Augen lassen wird, dessen sind wir uns sicher. Sam macht einfach keine halben Sachen und zum Kühlschrank wird künftig niemand mehr unbeobachtet - und vermutlich auch nicht unkommentiert - gehen kön nen. Einen Artgenossen braucht er nicht mehr unbedingt in seinem neuen Zuhause, obgleich er ihn vermutlich tolerieren würde. Wir wünschen uns für ihn aber eigentlich die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner neuen Menschen, denn die hat er mehr als verdient. Wir suchen für ihn ein älteres Ehepaar oder eine Einzelperson mit viel Herz und der inneren Gelassenheit, ihn genauso anzunehmen, wie das Leben ihn nun mal gemacht hat. Durchaus auch Hundeanfänger. Wer weiß, zu welchen Höhenflügen Sam dann noch bereit ist? Denn oftmals zeigt es sich, wenn man nichts konkret erwartet, dass man eine ganze Menge geschenkt bekommt, worüber man sich dann umso mehr freuen kann.

Update 08/2015

Nachdem Sam nun einige Monate bei uns ist, können wir sagen, dass er sich zum heimlichen Herzensbrecher der besonderen Art entwickelt hat. Leider haben gerade ältere Hunde, die ihre Vorgeschichte weder optisch noch altersmäßig verleugnen können, oftmals keine so guten Chancen bei der Vermittlung. Immer wieder müssen sie mit ansehe n, wie die Besucher sich lieber den jüngeren, attraktiveren und offensiveren Hunden zuwenden. Die Enttäuschung, die sich dann jedes Mal in ihrem Blick breit macht und die sie darin bestätigt, für niemanden von besonderer Bedeutung zu sein, ist wirklich schwer mit anzusehen.

Dabei hat gerade ein älterer Hund seine ganz eigenen Vorzüge! Sam ist ein durchaus unkomplizierter Hund, der jedoch einfach in der Masse der Hunde immer wieder untergeht. Bei unseren ehrenamtlichen Hundeausführern jedoch ist er der Liebling aller und wenn nicht jeder von ihnen schon selber reichlich genug Hunde zu Hause hätte, wäre Sam sicherlich schon längst bei einem von ihnen dauerhaft gelandet. Sie berichten, wie außerordentlich verschmust Sam ist und wie sehr er sich vor lauter Freude kaum zu halten weiß, sobald man ihn auf den Schoß nimmt und ausgiebig bekuschelt und beschmust. Dann fängt er vor lauter Inbrunst an zu brummen und kann gar nicht genug davon bekommen. Sobald sich einer seiner Artgenossen dazwischen zu drängen versuc ht, gilt das Brummen auch schon mal ihm - denn diese besondere Zweisamkeit mag Sam in diesem Augenblick keinesfalls teilen! Wer kann ihm das verdenken? Ansonsten mag er die Gesellschaft seiner Artgenossen sehr, doch bei einem so lange entbehrten Genuss wie der menschlichen Zuneigung hat seine Toleranz verständlicherweise ihre Grenzen.

Sam geht für sein Leben gern spazieren und steckt seine kleine Dackelnase in jedes Gebüsch, um ja kein Mauseloch zu verpassen. Dabei kann er es durchaus mit seinen jüngeren Artgenossen aufnehmen und seine Energie ist ungebrochen! Auch hier zeigt sich ein enormer Nachholbedarf.

Auch wenn wir sicher sind, dass das Leben im Eifelhof für Sam schon eine eklatante Verbesserung seiner Lebensumstände - im Vergleich zu seinem Vorleben in einem überfüllten ungarischen Tierheim - darstellt, so wünschen wir uns dennoch für ihn schnellstmöglich ein dauerhaftes Kuschelplätzchen bei einem netten älteren Ehepaar oder einer Einzelperson, wo er all die Liebe exklusiv bekommt, die er bislang so schmerzlich entbehrt hat. Bald kommt der kühle Herbst, der dann nahtlos in den unwirtschaftlichen und langen Eifelwinter übergeht - nichts von alledem soll unser kleiner Schatz noch einmal unter Tierheimbedingungen erleben! Das hatte er lange genug - und nun braucht er wirklich ein warmes Sofa für den Herbst seines Lebens, damit die Sonne des Sommers dort noch einmal in seinem Herzen Einzug halten kann!

Sam Sam
Sam Sam
Sam Sam