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Hans

Post von Hans: 16.11.2015, 1 Brief(e)

Mischling, Rüde, kastriert, geb. 05/2014, Größe: ca. 30 cm

Den etwas schüchternen kleinen Hans haben wir von einem befreundeten ungarischen Tierschutzverein übernommen, der sich mit Herz und Verstand für die Ärmsten der Armen engagiert. Obwohl von bestechender und unverwechselbarer Optik, hat er es ein wenig schwer mit der Vermittlung, weil er nicht zu denjenigen gehört, die sich permanent in den Vordergrund drängen. Wir können nur ahnen, was ihm in seinem Vorleben alles geschehen ist. Bestenfalls hat er in seinem noch sehr jungen Alter einfach nicht viel vom Leben erfahren können und ist deswegen noch sehr scheu und unerfahren. Was wir aber sicher sagen können, ist, dass er in seiner Unsicherheit niemals nach vorne gehen würde sondern vielmehr von sich aus nicht die Initiative ergreift und sich lieber zurückzieht. Was diese Hunde brauchen, ist in erster Linie eines - Zeit und viel Geduld! Und einen Menschen, der die Bereitschaft mitbringt, dem Hund alles in Ruhe zu zeigen und zu vermitteln. Es ist unglaublich - und auch unglaublich schön - mitzuerleben, wie so ein Hund die Neugier auf das Leben, zunächst zaghaft, dann immer vehementer in sich entdeckt. Das Staunen, das immer mehr in die Äuglein kommt, wenn er merkt, dass eine Situation gar nicht befremdlich sondern einfach nur neu und unbekannt ist, dass es sich lohnt, mit wahrem Heldenmut zu entdecken, was sich dahinter verbergen könnte und voller Stolz und hoch erhobener kleiner Rute von sich sagen zu können, dass es gar nicht so schlimm war. Hilfreich ist in diesen Fällen immer ein bereits im Haushalt lebender, souveräner Ersthund, der seinen kleinen neuen Kumpel unter seine Fittiche nimmt und in seinem Fahrwasser mitschwimmen lässt.

Mit Artgenossen ist unser Hans sehr gut verträglich und wir können uns bei ihm auch gut vorstellen, dass er mit Katzen keinerlei Probleme haben wird. Vermutlich gehört er zu den Hunden, die der Katze respektvoll huldigen und sich auf keine Konfrontation einlassen möchten. Aufgrund seiner derzeit noch bestehenden Ängstlichkeit und Unerfahrenheit sollten mögliche Kinder schon verständiger und älter sein, damit sie jederzeit wahrnehmen können, wenn Hans sich im Rückzugsmodus befindet und einfach seine Ruhe braucht. Mit zu viel Trubel könnte er sicherlich nicht gut umgehen. Er wird zudem noch keine unmittelbaren Erfahrungen mit Kindern gemacht und auch noch nicht in einer Familie gelebt haben, daher sollte es tendenziell ein eher ruhigerer Haushalt sein. Hier gilt es für mögliche Hundeanfänger, dass Mensch und Hund zusammen lernen, wie man den Alltag gemeinsam gestaltet. Das kann sehr gut funktionieren, vorausgesetzt, der Mensch ist bereit, sich auf die Bedürfnisse eines Hundes, der noch nicht viel vom Leben kennt, ohne Wenn und Aber einzulassen. Dazu gehört beispielsweise sich zunächst bei einem versierten Hundetrainer Rat einzuholen. Ebenso wäre in dem Fall auch eine längere Anbahnungsphase bei uns im Tierheim unabdingbar, damit Hans die Chance bekommt, zunächst ein gewisses Grundvertrauen aufzubauen. Jeder fängt schließlich irgendwann einmal an zu lernen und es sollte kein Aussc hlusskriterium sein! Auch wir stehen selbstverständlich gerne mit Rat und Tat zur Seite. Wenn Sie bereits über entsprechende Hundeerfahrung verfügen, wäre das natürlich durchaus von Vorteil.

Wir sind uns sicher, dass Hans sich nach einer entsprechenden Zeit der Eingewöhnung zu einem fröhlichen, kecken und lebensfrohen Hund bei Ihnen entwickeln wird, der munter über Stock und Stein springt und das Leben in vollen Zügen an Ihrer Seite genießen wird. Wir wünschen uns für ihn, dass er zum Hans im Glück wird. Nicht ganz auszuschließen ist dabei, dass er auch ein Hans Dampf in allen Gassen sein könnte. Das Potenzial dazu trägt er ganz sicher in sich, es muss nur noch ein wenig entwickelt werden.

Update 08/2015

Nun ist Hans schon einige Monate bei uns und es ist höchste Zeit für ein kleines Update!

Zwischenzeitlich haben wir Bella und Hans, die sich einander sehr eng angeschlossen haben, nach langem Abwägen und Überlegen dennoch in unterschiedlichen Hundegruppen untergebracht. Hintergrund war, dass sie sich in ihrer Ängstlichkeit gegenseitig "angesteckt" haben, was ihnen auf Dauer nicht gut getan hat.

Nun ist jeder der beiden mehr darauf angewiesen, sich den anderen Hunden innerhalb ihrer Gruppe nicht nur anzuschließen - sondern vielmehr ein Stück weit auch von deren Verhalten zu profitieren. Hunde schauen einander sehr viel ab, sowohl im positiven wie auch im negativen Sinne.

Wir können mittlerweile berichten, dass Hans zwar nach wie vor sehr etabliert ist in seinem Verhalten, den Menschen zunächst zu meiden, dass es aber eine Menge Möglichkeiten gibt, diesen Teufelskreis für ihn zu durchbrechen. Wir haben ihn zudem mit einem homöopathischen Mittel zum Abbau seiner Ängste unterstützt und alle diese Maßnahmen zeigen langsam aber sicher Wirkung.

Bei Hans zeigt sich immer mehr, dass er offensichtlich noch nicht viel kennengelernt hat in seinem noch jungen Leben. Vermutlich gehört auch er zu den vielen Hunden, die bereits im Welpenalter im Tierheim gelandet sind oder vielleicht sogar dort geboren wurden. In dieser drangvollen Enge, die in den meisten ausländischen Tierheimen nun mal landet, ist es den Mitarbeitern aber vollkommen unmöglich, sich intensiv genug um die ganze Flut an Welpen zu kümmern, um sie liebevoll an alle nötigen Umweltreize heranzuführen, damit sie unerschrocken durchs Leben gehen können. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, den man nie gewinnen kann. So entwickeln diese Hunde sich meist zu sehr scheuen Tieren, die einfach nicht gelernt haben, unerschrocken auf neue Dinge zuzugehen und die Welt für sich zu entdecken.

Genaugenommen muss man sie behandeln, als wären sie noch ein Welpe und sie Stück für Stück "an die Hand nehmen" und ihnen das Leben von Grund auf zeigen. So hat sich eine unserer ehrenamtlichen Hundeausführerinnen ganz besonders des scheuen Hans angenommen und setzt sich manchmal stundenlang mit ihm auf dem Schoß auf eine der Bänke vor unserem Eingangsbereich, damit er die Chance hat, sich in dieser Geborgenheit und Sicherheit in Ruhe das bunte Treiben anzuschauen. Man kann förmlich sehen, wie es in dem kleinen Köpfchen von Hans anfängt zu arbeiten, und er die ganzen neuen Sinnesreize zu sortieren versucht.

Mittlerweile ist man übrigens auch keinesfalls mehr der Meinung, dass in der sensiblen Prägephase versäumte Erfahrungen nicht mehr aufzuholen sind - der Weg dorthin ist nur einfach etwas mühsamer, als wenn man es von Anfang an richtig macht. Wie bei einem Computerprogramm muss der Hund sich praktisch neue "Datenbanken" an Informationen anlegen, in denen er all die neuen Impressionen sammelt und verarbeitet, die er gerade erlebt. Alle nun stattfindenden Erlebnisse sollten daher möglichst positiv unterlegt sein, was bedeute t, dass mit sehr viel positiver Verstärkung bei ihm gearbeitet werden sollte. Die Idee ist es dabei, dass das Gehirn nach und nach all die "Schreckgespenster" abzulegen bereit ist und durch die neuen positiven Erlebnisse überlagert.

So wird es auch bei Hans sein, wenn er nur endlich die richtigen Menschen finden würde, die bereit sind, diesen Weg der vielen kleinen Schritte mit ihm gemeinsam zu gehen. Ein souveräner Hund an der Seite von Hans ist fast unabdingbar, denn wir sehen täglich in seiner neuen Hundegruppe, wie sehr er bereit ist, sich an den anderen Hunden zu orientieren. Sein unsicheres Bellen, das er anfangs ständig gezeigt hat, ist schon deutlich zurückgegangen. Hans braucht einen Zweibeiner, der ihm ganz klar zeigt, dass er sich der menschlichen Führung anvertrauen kann, auch wenn ihm zunächst unheimlich zumute ist. Wir sehen jeden Tag aufs Neue, wie sehr der kleine Hans hinaus möchte in das wahre Leben, und wie wenig er es sich noch traut. Wer reicht ihm endlich die Hand, damit er den gr oßen Sprung hinaus ins Leben wagen kann?







Hans Hans
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