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Sasa

Mischling, Hündin, geb. 11/2014, ca. 30 cm

Als die kleine Sasa im November vergangenen Jahres das Licht der Welt erblickte, war sie ein unbedarfter, neugieriger und fröhlicher Welpe wie jeder andere auch. Leider hatte sie nicht das Privileg, bei einem liebevollen und verantwortungsvollen Züchter geboren zu werden, der großes Augenmerk darauf legt, seine Hunde sorgfältig auf das Leben in der großen weiten Welt vorzubereiten. Doch das Schicksal meinte es zunächst dennoch gut mit ihr und so gelangte sie in die Obhut eines Tierschutzvereins, der sich ihrer annahm und fortan für ihr weiteres Wohlergehen zuständig war. Sie wurde in eine Familie vermittelt. Eigentlich sollte die Geschichte an dieser Stelle zu Ende sein - und Sasa das behütete Leben in einer liebevollen Familie führen, mit riesigen Schritten ihrer Pubertät entgegeneilen und mit Feuereifer das Leben für sich entdecken.

Die Realität sieht jedoch leider ganz anders aus, denn das Glück war eindeutig nicht auf ihrer Seite. Sasa gehört zu den tragischen Fällen einer fehleingeschätzten V ermittlung, an der sie keinesfalls irgendeine Schuld trägt, doch dessen Folgen ihr weiteres Erdendasein zunächst mit großen Schatten belegt haben. Schatten, die so viel größer sind als die kleine Sasa selbst und die sie vor allem und jedem erschrecken lassen, was ihren Weg kreuzt und die ihr die Sicht auf die Schönheit und Vielfältigkeit eines Daseins an der Seite von Menschen tüchtig vernebeln. Was letztlich während der kurzen Zeit, die sie vermittelt war, geschehen ist, wird wohl immer Sasas Geheimnis bleiben. Ihre großen Augen, vor Furcht und Besorgnis oftmals weit aufgerissen, erzählen uns dabei ihre ganz eigene Geschichte. Ihre geduckte Körperhaltung, mit der sie sich vor fremden Menschen, insbesondere Männern mit kräftiger Statur, in Sicherheit zu bringen versucht, als gelte es um ihr Leben zu rennen, können ebenfalls gewisse Rückschlüsse keinesfalls verleugnen. Doch nun ist sie in unserer Obhut - und wir versuchen jetzt nicht nur, ihr die Möglichkeit zu geben, alles Versäumte nachzuholen sondern wir widmen uns ihr darüber hinaus in ganz besonderer Intensität, um die Wunden auf ihrer Seele möglichst schnell heilen zu lassen.

Wenn sie sich unbeobachtet fühlt, ist Sasa ein ganz normaler, neugieriger, tatendurstiger Junghund, der mit großer Begeisterung seine Umgebung erkundet und mit seinen Artgenossen spielt. Wenn sich ihr ein Mensch nähert, zu dem sie bereits Vertrauen gefasst hat, ist sie ein zwar zunächst vorsichtiger, aber dennoch zugänglicher heranwachsender Hund, der seinen Kopf fest in die menschliche Hand schmiegt auf der Suche nach Zuwendung, Zuneigung und Orientierung. Zu diesen Menschen gehören beispielsweise unsere Mitarbeiterinnen, die Sasa im täglichen Umgang betreuen und die in sehr kurzer Zeit den Zugang zu ihr gefunden haben. In unserem täglichen Ablauf geben wir ihr momentan genau die Sicherheit, die sie braucht, um wieder zu sich finden zu können. Der fest strukturierte Tagesablauf, die immer gleichbleibenden Rituale geben ihr Halt, ebenso wie die regelmäßigen Streicheleinheiten und das vorsichtige Heranführen an so normale Dinge wie das Tragen eines Halsbandes, eines Geschirres oder einer Leine, um erste, kurze Erkundungsspaziergänge in der ruhigen Umgebung des Eifelhofes machen zu können. All das meistert Sasa schon jetzt mit Bravour und jeden Tag kommen neue, kleine Fortschritte dazu, worüber wir uns sehr für sie freuen.

Sasa ist kein Buch mit sieben Siegeln - aber sie will dennoch richtig gelesen werden. Sasa ist kein Hund, der in ständiger Panik lebt, aber sie hat ein sehr großes Bedürfnis nach Rückzug und ihr Verhalten fremden Menschen gegenüber ist von großem Misstrauen und geprägt, das logischerweise in Meideverhalten mündet. "Traue niemals einem Fremden" - scheint eindeutig ihr Lebensmotto geworden zu sein. Wer kann es ihr verdenken? Wir ganz sicher nicht. Wie verwerflich es ist, einen kleinen, vertrauensseligen Welpen durch unsachgemäße und grobe Behandlung - aus welchen Gründen auch immer - so nachhaltig zu verunsichern, brauchen wir sicher nicht zu betonen.

Sasa ist kein Hund (mehr), der beim erstmaligen Kennenlernen freudig und neugierig auf einen möglichen Interessenten zustürmt. Diese Hunde haben wir auch - aber dazu gehört Sasa eindeutig (momentan) nicht. Um ihren Tiefgang zu erkennen und ihre Zuneigung zu gewinnen, bedarf es nun ein bisschen mehr. Sasa ist auf der Suche nach Menschen, die nicht mit einem ganzen Bündel an eigenen Bedürfnissen an sie herantreten sondern die vielmehr erkennen, dass einzig Sasa diejenige ist, die hier zunächst Bedürfnisse anzumelden hat und dass einzig sie bestimmen kann, in welchem Tempo die Dinge sich entwickeln.

Dass die Dinge sich entwickeln, steht für uns außerfrage, denn die Neugier bei Sasa gewinnt rasch die Oberhand, wenn der Mensch bereit ist, sich ein wenig an Sasas Körpersprache zu orientieren und sich selber dabei zurückzunehmen. Sasa kommuniziert sehr klar und deutlich, wie man sich ihr nähern sollte, wenn man ihr Vertrauen gewinnen möchte - nämlich sehr behutsam, in langsamen Bewegungen und dann in Ruhe abwartend, ob Sasa bereit ist für den nächsten Schritt der Kontaktaufnahme. Keinesfalls sollte man sie mit forschem Blick fixieren (nebenbei bemerkt, stellt das für die meisten Hunde eine Art Provokation, ggf. sogar eine Bedrohung dar und gilt unter Hunden schlichtweg als etwas, na ja, "unhöfliche" Art der Annäherung) oder sich gar frontal über sie beugen - denn dann sieht man Sasa mit Sicherheit nur noch von hinten. Einen Hund wie Sasa darf man sich tatsächlich zunächst "erarbeiten" und Geduld lautet hier ganz sicher das Zauberwort - aber dafür gewinnt man etwas, das eben keinesfalls selbstverständlich ist - nämlich ihre Liebe und ihren Respekt. Dinge, die momentan ein wenig in ihr verschüttet sind. In der Ruhe liegt bei Sasa die Kraft, denn Hektik und Stress hat sie in ihrem kurzen Erdendasein wahrhaft zur Genüge gehabt. Sasa sucht Menschen, die ihr durch ihre eigene ruhige Ausstrahlung genau die nötige Sicherheit geben können, an der es ihr selber im Moment noch mangelt. Daher ist Sasa keinesfalls als Anfängerhund geei gnet, denn sie braucht ein gewisses Maß an "vorausschauendem Handeln" und Weitblick, was ihr die Struktur und Orientierung vermittelt, nach der sie so dringend sucht. Erfahrung im Umgang mit einem ängstlichen und zurückhaltenden Hund - oder die ausgeprägte Bereitschaft, sich dieses Wissen unter Hinzuziehung eines versierten Hundetrainers anzueignen - sind daher unabdingbar. Mögliche Kinder sollten auf jeden Fall schon größer und sehr verständig sein, um die Bedürfnisse von Sasa jederzeit wahrnehmen zu können. Sasa mag keinesfalls bedrängt werden. Ein souveräner Artgenosse, an dem sie sich in der Anfangsphase orientieren kann, wäre in dem Fall ideal, denn das würde ihr den Einstieg in ein harmonisches Leben an der Seite von Menschen deutlich erleichtern. Hunde orientieren sich sehr stark aneinander und lernen sehr viel durch Beobachtung. Sasa könnte sich praktisch von ihrem Hundekumpel abschauen, wie der Alltag in der neuen Familie aussieht, wie gefahrlos man die Welt entdecken oder sich stundenlang durchkrau len lassen kann und wie schön es ist, vertrauensvoll im Arm seines Menschen Anlehnung zu finden. Meist übernehmen die schon im Haushalt lebenden Artgenossen in so einem Fall gerne die Beschützer- und Führungsrolle, sodass der hinzugekommene Hund in aller Ruhe ankommen und sich einleben kann. In behutsamen, kleinen Schrittchen muss Sasa komplett neu an das Leben herangeführt werden, damit sie die schlimmen Erlebnisse der vergangenen Monate bestmöglich verarbeiten und sich dem Leben wieder so öffnen kann, wie es für einen Hund in ihrem Alter normal und angemessen ist. Erfahrungsgemäß können Hunde wie Sasa die meisten Defizite wieder aufholen, vorausgesetzt, der Mensch lässt ihnen genug Zeit dazu und gibt ihnen genau den Raum und Rückhalt, den sie brauchen, um ihr Potenzial ihrem eigenen Tempo gemäß entwickeln zu können.

Wir sehen in Sasa das fröhliche, kleine Energiebündel, das tief in ihr sicherlich schlummert und das nun an der Seite der richtigen Menschen endlich zum Leben erweckt werden möchte. Wer sich dieser besonderen Aufgabe widmet, bekommt dafür auch einen ganz besonderen Hund, der in einer ganz einzigartigen Intensität an seine Menschen gebunden sein wird. Dieses Vertrauensverhältnis erreicht oftmals eine Tiefe, die alles in den Schatten stellt, was man bisher im Zusammenleben mit einem Hund erfahren hat. Die kleine Sasa ist genauso besonders, wie die Menschen, die sie nun sucht.

Sasa Sasa
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