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Jette (ehem. Louise)

Post von Jette (ehem. Louise): 27.12.2018, 9 Brief(e)

Mischling, Hündin, geb. 07/2014, Größe: ca.45 cm

Thelma und Louise könnten tatsächlich der Kinoleinwand entsprungen sein, so spektakulär sind die beiden Schwestern, die wir von einem befreundeten griechischen Tierschutzverein übernommen haben. Genauso sprühend vor Lebensfreude, voller Ideen und Tatendrang, bereit für die wahren Abenteuer des Lebens. Anders als die beiden Filmheldinnen jedoch, wollen Thelma und Louise nun keineswegs mehr weiter gemeinsam durch "dick und dünn" gehen - denn als typische Junghündinnen in der Pubertät hat jede von ihnen ihren ganz eigenen Kopf und sie legen nicht mehr allzu viel Wert auf familiäre Bande.

Wir suchen also für jede von ihnen einen einzelnen Platz, wobei natürlich beide Damen zu bereits vorhandenen Artgenossen ziehen könnten. Aufgrund des noch zarten Alters sind sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch noch nicht kastriert, damit sie zunächst in Ruhe ausreifen und ihre Persönlichkeit voll entwickeln können. Daher sollte ein möglicher männlicher Artgenosse auf jeden Fall bereits kastriert sein, ebenso, wie natürlich im weiteren Verlauf zum geeigneten Zeitpunkt auch die Kastration von Thelma und Louise eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Nicht immer hat man im Tierschutz die Wahlmöglichkeit, den wirklich optimalen Kastrationszeitpunkt festzulegen, da natürlich IMMER das oberste Augenmerk darauf gelegt sein muss, weiteren unerwünschten Hundenachwuchs effektiv einzudämmen.

Im Idealfall jedoch sollte eine junge Hündin die Möglichkeit bekommen, zumindest einen Hitzezyklus durchlaufen zu können, damit sich die weibliche Hormonschiene einpendeln kann. Denn dadurch durchläuft die Hündin einen enormen Entwicklungsschub, sowohl körperlich als auch psychisch, der sie dazu befähigt, den Kinderschuhen zu entwachsen und die Welt nunmehr durch die Augen eines erwachsenen Hundes betrachten zu können: Sie kann adäquater auf Umweltreize reagieren und sich differenzierter mit Herausforderungen auseinandersetzen als zuvor und auch ihr Charakter reift weiter aus und gewinnt an Format. Natürlich muss in jedem Fall gew ährleistet sein, dass die Hündin in der Zeit der Hitze, die in der Regel ca. 3 Wochen beträgt, vor unerwünschtem Nachwuchs geschützt wird. Das bedeutet konkret, dass sie keinen Augenblick unbeaufsichtigt ist, weder auf dem Spaziergang noch im möglichen heimischen Garten! Dem Erfindungsreichtum eines liebeskranken unkastrierten Rüden sind nämlich keinerlei Grenzen gesetzt und selbst das Überwinden eines hohen Zaunes oder das Öffnen einer nicht fest verschlossenen Tür stellt in der Regel kein ernsthaftes Hindernis für ihn dar. Hier ist also in jedem Fall das verantwortungsvolle und vorausschauende Handeln des Menschen gefragt, um der jungen und unerfahrenen Hündin allzeit Schutz zu gewähren. Unangeleinte, unkastrierte Rüden und deren zuweilen uneinsichtige Halter gibt es natürlich auch noch und diese sind dann auf dem Spaziergang möglichst im Vorfeld zu umschiffen, indem man in eine andere Richtung weitergeht, sobald man sieht, dass der Rüde Fährte aufnimmt. Und im Zweifelsfall hat sich eine gezielt eingesetzt e Wasserspritzflasche zur "Rüdenabwehr" immer noch gut bewährt, sodass die Zeit der Hitze meist problemloser zu überstehen ist, als man gemeinhin annimmt. Die Vorteile, diese kleinen Unbequemlichkeiten im Alltag für seine Hündin zumindest einmalig auf sich zu nehmen, überwiegen nämlich aus den zuvor genannten Gründen in jedem Fall.

Übrigens ist es auch keinesfalls "krankhaft" oder unnormal, wenn eine Hündin im weiteren Verlauf sogenannte Scheinschwangerschaftssymptome entwickelt. Oftmals wird das als sofortiger Grund genannt, alsbald eine Kastration durchzuführen, doch in der Natur ist es normal, dass eine Hündin sich verhält, als würde sie Nachwuchs erwarten, auch wenn das gar nicht der Fall ist. Man sollte jedoch darauf achten, dass die Scheinschwangerschaft nicht überhandnimmt, indem man der Hündin nicht erlaubt, ihr Spielzeug zu "bemuttern", indem man sie gut körperlich auslastet und etwas knapper füttert, damit sich das Gesäuge nicht zu sehr ausprägt. Denn nichts von alledem braucht unser Familienh und wirklich - wohl aber der frei lebende Haushund, der ja nun mal vom Wolf abstammt: Aus biologischer Sicht ist die Funktion der Scheinschwangerschaft nämlich ein kluger Trick der Natur, um in jedem Fall das Überleben des Rudels zu sichern. Denn Hunde leben in freier Wildbahn im Rudel zusammen, wobei sich jedoch nur die ranghöchsten Tiere vermehren dürfen - wozu unsere Familienhunde in der Regel natürlich nicht gehören sollten! Die Welpen der ranghöchsten Tiere werden immer im Familienverband aufgezogen, das heißt, das ganze Rudel beteiligt sich an der Aufzucht. Sie es durch Futterbesorgen oder Babysitten, jeder hat seine Funktion. Verunglückt nun die ranghöchste Hündin, was keinesfalls selten ist, da das Leben in freier Wildbahn großen Gefahren ausgesetzt ist, kann die scheinschwangere Hündin im Notfall als Amme einspringen, sodass das Überleben der Welpen gesichert wäre. Unter diesem Aspekt gesehen ist also keine Hündin "krank" oder abnormal, nur weil sie Scheinschwangerschaftssymptome entwickelt. Die Zeit will vielmehr einfach überstanden werden und geht vorbei und früher oder später wird die Hündin ohnehin kastriert. Doch nun genug der "Hitzetheorien", denn es geht ja um Thelma und Louise …

Vermutlich hat jemand in Griechenland schon kurz nach ihrer Geburt einen großen Pointer-Anteil in ihnen gesehen, denn beide Schwestern wurden ihrer Ruten mehr oder weniger vollkommen unprofessionell beraubt. Bei Louise wurde zumindest ein Stummelschwanz belassen, bei Thelma jedoch ist die Rute, wie es scheint, bis zum Ansatz kupiert worden. Leider ist es immer noch in den Köpfen der Menschen verankert, dass bei einem jagdlich ambitionierten Hund der Schwanz eher hinderlich als förderlich sein sollte - warum auch immer. Noch verwerflicher der Allmachtgedanke des Menschen, den Hund vollkommen nach seinem persönlichen Geschmack zu gestalten - oder sollten wir sagen zu verunstalten? Denn auch hier hat sich die Natur durchaus etwas dabei gedacht, den Hunden eine Rute mit auf den Weg zu geben und nur in absoluten Ausnahmefällen wird ein Hund ohne Schwanz geboren - sie dient nicht nur zum Ausbalancieren des Körp ers sondern sie ist vielmehr ein elementares Kommunikationselement unter Hunden. Wie ein Seismograph zeigt sie dem entgegenkommenden Hund schon von weitem eine Menge über den jeweiligen Artgenossen, was Hundebegegnungen durchaus vereinfacht. Doch auch hier zeigen sich wieder einmal mehr die große Anpassungsfähigkeit der Spezies Hund sowie die Vielfältigkeit der hundlichen Kommunikation, denn ein schwanzloser Hund verlagert einfach seine Kommunikation auf andere Ebenen. So weisen auch Thelma und Louise eine sehr ausgeprägte Mimik und differenzierte Körpersprache auf und anstatt mit dem Schwanz zu wedeln, wedeln sie kurzerhand mit dem kompletten Hinterteil. Der Schönheit tut es gottlob ohnehin keinerlei Abstrich!

Die zarte Louise ist deutlich zurückhaltender als ihre Schwester Thelma. Ein Blick in ihre bernsteinfarben den Augen offenbart jedoch ihren Tiefgang. Wenn sie die Welt erst einmal richtig kennengelernt hat, werden die lustigen Sommersprossen auf ihrer Nase die Oberhand gewinnen und sie wird wi e Pipi Langstrumpf fröhlich durch die Gegend hüpfen.

Welcher Umstand dazu geführt hat, dass sie bei vermutlich gleichen Lebensbedingungen wie Thelma doch deutlich zögerlicher auf uns zugeht, können wir nur vermuten. Bei einem unbedarften Welpen können es oftmals Kleinigkeiten sein, die ihn die Welt anders bewerten lassen als die Wurfgeschwister. Doch Louise ist noch so jung, dass wir positiv davon ausgehen, dass sie ihre anfängliche Scheu alsbald wird ablegen können, wenn man ihr die nötige Zeit und Ruhe gibt, die Dinge ihrem Tempo gemäß entdecken zu können. Einmal gemachte negative Erlebnisse können zwar niemals komplett ausgelöscht, wohl aber durch positive Verknüpfungen neu definiert werden, praktisch wie auf einer Festplatte durch ein neues Programm überlagert werden. Hier ist es insbesondere wichtig, den jungen Hund sensibel und gezielt an möglichst viele positive Erlebnisse und Begegnungen heranzuführen, damit er immer wieder die Erfahrung macht, wie schön und abwechslungsreich das Leben an der Seite von Menschen sein kann.

Louise ist momentan noch sehr zurückhaltend, doch sie taut von Moment zu Moment mehr auf. Es tut ihr zudem sichtlich gut, der "Stimmungsmache" ihrer Schwester entronnen zu sein, die ihr möglicherweise in ihrer forscheren Art viel zu wenig Entwicklungsspielraum gelassen hat. Der Besuch einer versierten Hundeschule wäre mit Louise sicherlich ratsam, ebenso könnte ein souveräner bereits vorhandener Artgenosse in der Familie - oder vielleicht in der unmittelbaren Nachbarschaft - für die Eingewöhnung sehr hilfreich sein. Gerade ein noch etwas unerfahrener Junghund orientiert sich gerne an einem sicheren Althund, der wiederum den Jungspund meist willig unter seine Fittiche nimmt. Mögliche Kinder in der neuen Familie sollten schon ein wenig verständiger sein, damit sie die Bedürfnisse nach Rückzug bei Louise jederzeit wahrnehmen können und sie nicht ungefragt bedrängen. Dann steht einer lebenslangen Freundschaft ganz sicher nichts im Wege.



Auch unsere Louise ist ein sehr temperamentvoller, bewegungsfreudiger und agiler Hund, der eine Menge an körperlicher und geistiger Auslastung benötigt. Sie braucht geduldige und ruhige Menschen, die ihr die nötige Führung und Struktur zu geben vermögen. Hunde lernen unendlich viel durch Nachahmung und gerade Louise wird sehr danach trachten, sich jederzeit an "ihrem" Menschen zu orientieren. Geht der Mensch ruhig und gelassen und mit der nötigen Souveränität an eine neue Situation heran, so wird sie es ihm alsbald gleich tun. Sie lechzt geradezu danach, den roten Faden in ihrem Leben finden zu können, sich endlich in eine Familie integrieren zu können und künftig ein Leben voller Spaß, Freude und Abenteuer führen zu können.

Die Regie im Film des Lebens von Thelma und Louise soll dabei aber ganz sicher in einem anderen Ende münden als bei den beiden namensgleichen Filmheldinnen: Ihr Leben soll keinesfalls im Abgrund landen sondern vielmehr einen ganz wunderbaren, geradezu kometenhaften Aufschwung nehmen, wozu es aber eindeutig Ihrer Hilfe als neue Familie bedarf. Wir können nur ein erstes Sprungbrett sein, aber wir sehen vor unserem geistigen Auge förmlich schon, wie die beiden voller Energie durch ihr jeweils eigenes neues Leben sprinten…

Jette (ehem. Louise) Jette (ehem. Louise)
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