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Lucy

Post von Lucy: 15.12.2015, 1 Brief(e)

Border-collie-Mix, Hündin, geb. ca. 2011, Größe: ca. 50 cm

Die hübsche Border Collie-Mix Hündin Lucy haben wir aus unmittelbarer Nachbarschaft übernommen und sie steht stellvertretend für all die vielen Hunde, die auch in Deutschland immer noch ein Leben führen müssen, das diesen Namen keinesfalls verdient.

Sie wurde uns mit den überaus charmanten Worten "Wenn Sie sie nicht nehmen, schlage ich sie halt tot!" übereignet, als wäre sie ein unbrauchbar gewordenes Möbelstück, das nun dringend der Entsorgung bedarf.

Beziehungsweise einem Möbelstück, das schließlich irgendeinen materiellen Wert aufweisen kann, wird von Menschen dieser Kategorie vermutlich mehr Achtung entgegengebracht als diesem armen Hund. Offensichtlich hat der ehemalige Besitzer noch nicht mal genügend Phantasie entwickeln können, Lucy von seinem Nutzvieh unterscheiden zu können und sie daher kurzerhand in einen Kälberpferch gesteckt. Für wie lange, vermögen wir nicht zu sagen.

Was wir aber zu sagen vermögen, ist, welche Tortur es für einen bewegungshungrigen Hund wie Lucy bedeutet ha ben muss, so isoliert und bar jeglicher Ansprache gelebt zu haben. Das Ergebnis ist eine extrem scheue und ängstliche Hündin, der man anmerkt, wie wenig sie bislang im Leben hat kennenlernen dürfen.

Lucy hat aber einmal mehr das Wunder vollbracht, sich dennoch ihr freundliches und ohne Zweifel menschenbezogenes Wesen zu erhalten, denn sie sucht intensiv den Kontakt zu uns und freut sich wie ein Welpe über jegliche Zuwendung und jeden Streichelkontakt.

Was definitiv auf der Strecke geblieben ist, ist der für jeden Hund lebensnotwendige Kontakt zu Artgenossen und so steht sie derzeit vor all den vielen Hundekollegen mit einem riesigen Fragezeichen auf der Stirn. Sie weiß schlichtweg gar nicht, wie sie sich verhalten soll und hält all die anderen Hunde vermutlich für Wesen von einem anderen Stern. Daher haben wir sie derzeit zunächst alleine in einem etwas ruhiger gelegenen Auslauf untergebracht, wo sie dennoch die Möglichkeit hat, ihre Artgenossen zu beobachten und zu hören. Bei Lucy kann die Annäher ung an ihre Artgenossen nur in kleinen Schrittchen erfolgen, um sie nicht zu überfordern. Denn alles, was man nicht kennt, ängstigt einen zunächst verständlicherweise.

Überhaupt wird sie die ganze Palette des Zusammenlebens mit einem Menschen nun von der Pike auf lernen müssen. Wir gehen davon aus, dass sie noch nie in einem Haus gelebt hat, ebenso wenig, wie je mit ihr spazieren gegangen sein wird. Sie war ja schließlich formidabel untergebracht in ihrem Kälberpferch.

Es fällt tatsächlich schwer, bei so viel Ignoranz ruhig und besonnen zu bleiben, wenn einem unter diesen Umständen ein Hund übereignet wird. Und letztlich muss man ja sogar froh sein, dass der Hund übereignet wurde, wenn die "Alternative" das Totschlagen gewesen wäre. Was genau (oder ob überhaupt irgendetwas…) in den Köpfen solcher Menschen vorgeht, wird uns wohl immer verborgen bleiben. Diese Verrohung ist aber eigentlich durch nichts entschuldbar und einzig der Glaube daran, dass alles irgendwann seine Gerechtigkeit erfährt, lässt un s in solchen Momenten die Ruhe bewahren - für das jeweilige Tier!

Für Lucy wünschen wir uns nun sehr verständige Menschen, die alles daran setzen werden, sie nach und nach in das Leben an der Seite von Menschen einzuführen. Die Verständnis dafür haben, dass sie sicherlich manches Mal zunächst sehr ängstlich auf einen neuen Umweltreiz reagieren wird, weil sie nie die Chance hatte, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Erfahrungen zu machen. Wir erleben Lucy aber als sehr neugierig und recht aufgeschlossen, sodass wir denken, dass sie sich in Windeseile diesem neuen Leben öffnen wird. Zumal sie ja von sich aus großes Interesse am Kontakt mit Menschen hat, sodass hier alles über die Vertrauensschiene gehen wird.

Es wäre sicherlich sinnvoll, gemeinsam mit Lucy eine Hundeschule zu besuchen, wo sie einerseits viel (kontrollierten) Kontakt zu Artgenossen hat und andererseits alles nachholen kann, was ihr bislang verwehrt geblieben ist. Der Border Collie ist ein sehr intelligenter und lernfreudiger Hund, sod ass wir auch bei Lucy von einer sehr raschen Auffassungsgabe ausgehen. Über das spielerische Lernen kann sie sicherlich nach und nach an alle neuen Bereiche ihres Lebens herangeführt werden, sodass sie ein relativ normales Hundeleben in ihrer neuen Familie wird führen können. Wenn sie dann auch noch genügend geistige und körperliche Auslastung findet, wird künftig alles zu ihrer besten Zufriedenheit sein.

Etwas Hundeerfahrung wäre für die Adoption von Lucy jedoch sehr hilfreich, da sie kein vollkommen unbelasteter Hund ist und man bei ihr sicher und souverän auftreten können sollte. Lucy braucht Menschen, deren Führung sie sich bedingungslos anschließen und anvertrauen kann und von denen sie lernt, wie man sich im Leben zurechtfindet. Und dass ihre Welt durchaus größer ist als ein kleiner Kälberpferch und viele spannende und schöne Abenteuer bereithält.

Lucy ist mir ihren vier Jahren gerade erst richtig erwachsen und wenn man bedenkt, dass ein Hund wirklich lebenslang lernt, wird es letztendlich ein Kinderspiel für sie sein, nach und nach die vorhandenen Defizite aufzufüllen. Sie wird alle neuen Impulse aufsaugen wie ein Schwamm und mit immer größer werdendem Staunen das richtige und wahre Leben für sich entdecken. Irgendwann wird so auch die Erinnerung an ihr tristes Vorleben immer mehr verblassen und sie wird wie Phoenix aus der Asche steigen.

Wir hegen keinerlei Zweifel daran - denn schon viel zu oft dürften wir Zeuge solcher wunderschönen Entwicklungen werden, die der eigentliche Lohn für das Aushalten des oft auch für uns schier Unerträglichen sind, wie die Begegnung mit ihrem ehemaligen Besitzer. Doch um das nun realisieren zu können, sind wir einmal mehr auf Ihre Mithilfe angewiesen. Wer möchte der zauberhaften Lucy den Weg in ein erfülltes Hundeleben ebnen?

Lucy Lucy
Lucy