zurück zur Übersicht

Spike

Jack-Russel-Terrier, Rüde, kastriert, geb. ca. 2013, Größe: ca. 25 cm

Spike hat noch nicht eine Sekunde lang wirklich auf der Sonnenseite des Lebens gestanden, so viel steht für uns fest. Er ist ein Wanderpokal der ganz besonderen Art und seine Geschichte hat uns einmal mehr sehr berührt.

Wie kann es sein, dass sein kleines Leben von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden hat? Ganz einfach – selbst ein reinrassiger Jack-Russell-Terrier ist nicht davor gefeit, zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort geboren worden zu sein. So konnte es geschehen, dass er gleich nach seiner Welpenstube – wie auch immer die ausgesehen haben mag – zu einer nicht sesshaften Frau mit diversen psychischen Problemen kam, die ihm ganz sicher keine sorgenfreie weitere Aufzuchtphase beschert haben wird.

Es war ihm von Anfang an nicht vergönnt, ein vertrauensvolles Verhältnis zu einem Menschen aufbauen zu können, so sehr er das als kleiner, unbedarfter Welpe auch gewollt haben wird. Sein ehemaliges Frauchen konnte ihm keinerlei Stabilität und Sicherheit geben, wie es ein kleiner Welpe aber so dringend braucht, um zu einem selbstsicheren und in sich ruhenden Hund heranzuwachsen, der jeder Herausforderung in seinem künftigen Leben gewachsen sein wird. Wie wichtig eine sorgsame Kinderstube aber gerade für einen Terrier ist, dem ja der Kampfgeist und die Wehrhaftigkeit ein Stück weit mit in die Wiege gelegt worden sind, zeigt das Schicksal von Spike im weiteren Verlauf sehr eindrucksvoll.

Es muss leider auch Zeiten in seinem Leben gegeben haben, in denen nicht gerade zimperlich mit ihm umgegangen worden sein kann. Beispielsweise hat er eine sehr auffällige Aversion gegenüber Menschen, die mit Arbeitsschuhen bekleidet an ihn herantreten. Das legt den dringenden Verdacht nahe, dass keinesfalls nur rein zufällig, geschweige denn nur einmalig nach ihm getreten worden ist.

Als sich immer mehr herauskristallisierte, dass er keinesfalls bei der obdachlosen Frau verbleiben konnte, kam er zu einer jungen Frau mit zwei Kindern, die jedoch über bislang keinerlei Hundeerfahrung verfügte. Sehr schn ell stellte sich daher heraus, dass und wie sehr auch sie mit einem mittlerweile pubertierenden Junghund überfordert war und daher wollte sie Spike ins Tierheim bringen.

Um Spike davor zu bewahren, erklärte sich die Schwester der jungen Frau bereit, ihn aufzunehmen. Diese Dame hat wirklich alles in ihrer Macht stehende versucht, um die vielfältigen Wunden auf Spikes Seele heilen zu lassen. So ist sie nach wie vor sehr um das Wohl ihres kleines Schützlings besorgt und wir haben ihr fest versprochen, alles zu unternehmen, um Spike nun endlich ein dauerhaftes Zuhause, das diesen Namen wirklich verdient hat, zu bescheren.

Sie war vom ersten Augenblick an von seinem Wesen fasziniert. Es war, offensichtlich auf beiden Seiten, so etwas wie Liebe auf den ersten Blick und Spike hat sich voller Hoffnung sogleich sehr eng an sein neues Frauchen angeschlossen. Zu groß sein Bedürfnis, endlich mal richtig irgendwo dazuzugehören, schier uferlos sein Defizit an echter und aufrichtiger Zuneigung, nach der jeder Hund sich zutiefst sehnt.

Es hätte so schön sein können, denn dieses Frauchen hätte Spike für ihr Leben gern behalten. Bis sie schwanger wurde und im weiteren Verlauf ihr Baby zur Welt gebracht hat. Diesen Tatbestand hat Spike, der sich offensichtlich selber ein Stück weit in der Babyrolle bei seinem Frauchen sah, leider keinesfalls toleriert. Es ist ihm – aufgrund all seiner psychischen Defizite und seinem nie richtig entwickelten Bindungsverhalten zum Menschen – keineswegs zu verdenken.

Zudem ist es keine Seltenheit, dass Hunde zunächst ein wenig „verschnupft“ darüber sind, wenn ihre Menschen ihnen plötzlich einen zweibeinigen kleinen Nebenbuhler präsentieren, der noch dazu ständig herumschreit und unablässig Zuwendung fordert, egal wie sehr der Hund auch gerade denkt, eigentlich selber dran zu sein. Normalerweise aber gibt sich das nach einer gewissen Zeit – nicht so aber bei Spike.

Spike wird sich vielmehr einmal mehr vorgekommen sein wie der sprichwörtlich begossene Pudel, der wieder einmal unverm ittelt im Regen stehen gelassen worden ist. Ob dieses Gefühl in ihm gerechtfertigt gewesen sein mag oder nicht, darum geht es überhaupt gar nicht sondern vielmehr ausschließlich darum, wie ER die Situation empfunden hat.

Spike entwickelte eine schier rasende Eifersucht, die leider ihren Höhepunkt darin fand, dass er dem mittlerweile im Krabbelalter befindlichen Kleinkind förmlich aufgelauert hat, um es zu attackieren. Das Frauchen konnte gerade noch rechtzeitig genug eingreifen. Natürlich darf man NIE ein Kleinkind unbeobachtet mit einem Hund lassen, egal wie gelassen und verträglich der auch immer sein mag – aber im Fall von Spike war es praktisch keine Sekunde möglich, ihm auch nur den Rücken zuzudrehen, wenn er sich in einem Raum mit dem Kleinkind befunden hat.

Das Frauchen konnte bislang Schlimmstes verhindern aber es ist mehr als verständlich, dass sie sich dieser Situation nicht mehr länger gewachsen sah. Selbst ein hinzu gezogener Hundetrainer fand keine befriedigende Lösung, was angesichts der Gesamtsituation von Spike jedoch keinesfalls verwundern wird.

Er hatte nicht die Möglichkeit, innerhalb der wichtigsten ersten Monate seines Lebens – nämlich der Präge- und Sozialisierungsphase – die entsprechenden Erfahrungen zu sammeln, die ihm ein angemessenes Verhalten in so einer Situation ermöglicht hätten. Niemand hat ihn behutsam angeleitet, ihm den nötigen Rückhalt und die nötige Sicherheit gegeben, die es einfach braucht, um gelassen mit einem Kleinkind – und erst recht einem potenziellen Nebenbuhler – umgehen zu können. Von einer entsprechenden Grunderziehung ganz zu schweigen, die aber ebenso unerlässlich ist, damit ein Hund – erst recht ein Terrier – stressfrei mit einem Menschen zusammen leben kann.

Spike hat sich daher notgedrungen sein eigenes Weltbild zurechtgezimmert, dessen Folgen wir auch gerade hautnah miterleben können. Er ist einerseits ein ganz extrem menschenbezogener Hund, der gar nicht genug Streicheleinheiten abgekommen kann. Dabei ist er auf der einen Seite total unsicher und ängstlich, was im nächsten Augenblick in eine geradezu unbeschreibliche Distanz- und Respektlosigkeit umzuschlagen vermag. Ohne mit der Wimper zu zucken, bringt er es dann sogar fertig, einem mal kurz herzhaft ans Hosenbein zu pinkeln, wenn ihm etwas nicht so richtig gefällt. Ganz sicher eine Art fast schon verständliche Trotzreaktion, die jedoch in keinem Fall zu tolerieren ist.

Um es auf den Punkt zu bringen, Spike beherrscht (noch) nicht die ganz normale Kommunikation eines Hundes mit einem Menschen und hat hier einen sehr hohen Nachholbedarf. Sein Sozialverhalten Artgenossen gegenüber ist hingegen durchaus akzeptabel – also liegt es keinesfalls daran, dass er komplett ignorant oder gar lebensmüde ist sondern dass er vielmehr (noch) keinen Sinn darin erkennen kann, was dauerhaft positiv daran sein könnte, sich wirklich auf den Menschen einzulassen. Woher sollte er diese Erkenntnis auch bislang gewonnen haben? Denn jeder neue Versuch seinerseits, sich wie auch immer auf einen Menschen einzustellen, endete ja doch früher oder später für ihn mit der nächsten „Abschiebung“.

Spike hat offensichtlich bislang noch nirgendwo die in dem Fall wirklich bitternötige gnadenlose Konsequenz (keinesfalls zu verwechseln mit Härte oder gar ständiger Unterdrückung!) erfahren, die es aber braucht, um einen Hund wie ihn in seine Schranken zu verweisen UND ihm dabei gleichzeitig dennoch stets die nötige Anlehnung zu geben. Dazu gehört eine gehörige Portion Hundeerfahrung, genaugenommen Terrier-Erfahrung und eine Persönlichkeitsstruktur, die zumindest in der ersten Zeit in jedem Augenblick gewillt ist, mit allen Sinnen auf Spike fokussiert zu sein. Die Devise lautet in dem Fall tatsächlich zunächst: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

Spike braucht einen sehr strukturierten Tagesablauf, wo er seine Sicherheit und Orientierung finden kann. Wir sehen ihn bevorzugt bei einem jung gebliebenen Paar im Vorruhestand, das ein sehr ruhiges Lebensumfeld hat. Sollten die Enkelkinder gelegentlich mal zu Besuch kommen, sollt e man sich in dem Fall aber bewusst sein, dass Spike sicherheitshalber in einem anderen Raum untergebracht sein sollte, so lange auch nur die geringste Gefahr besteht, dass er die kleinen Erdenbürger als seine Konkurrenz ansieht. Die Betonung liegt hier tatsächlich auf gelegentlich, da wir leider schon ähnliche Fälle erlebt haben, wo die neue Familie genau das beteuert hat, aber plötzlich fast täglich die Enkelkinder in Betreuung hatte und es dadurch zu einer unnötigen Eskalation gekommen ist, die dem dazugehörigen Hund seine Rückgabe in den Eifelhof beschert hat.

So etwas aber darf gerade bei Spike NIE wieder geschehen, denn wenn er jetzt das Vertrauen zu seinen neuen Bezugspersonen aufgebaut hat, soll es tatsächlich für den Rest seines Erdendaseins sein!

Wir haben aber im täglichen Umgang mit ihm sehr schnell festgestellt, wie sehr er – immer noch – bereit ist, sich einem Menschen nicht nur unterzuordnen sondern dass er geradezu nach „klaren Ansagen“ lechzt. Sagt man ihm dann einmal kurz und knapp „ hier lang und sonst gar nichts“, ist er sofort bereit, diese Regel zu akzeptieren und vergöttert praktisch augenblicklich den dazugehörigen Menschen ohne Wenn und Aber.

Spike ist das typische und tragische Beispiel, was aus einem Hund werden kann, dessen Grundbedürfnisse so lange so sträflich vernachlässigt wurden und dessen Leben bei einem Menschen begann, der noch nicht mal in der Lage war, für sich selber zu sorgen – geschweige denn für ein weiteres Lebewesen da sein konnte. Spike ist orientierungslos und was er nun dringend braucht, sind kompetente und in sich ruhende Menschen, die ihm diese Orientierung zu geben vermögen.

Mit seinen drei Jahren sind wir uns sicher, dass er eine Menge seiner erlittenen Defizite nachträglich aufzuholen vermag. Wie sehr es dabei gelingt, dass er ein dauerhaft in sich ruhender Hund wird, bleibt ein Stück weit abzuwarten. Denn gerade ein hochtouriger Terrier ist hier nicht in seinem Verhalten zu unterschätzen. Es wird maßgeblich von seinen neuen Menschen abhängen, inw iefern die bereit sind, ihren Hund stets so gut „lesen“ zu können, dass sie praktisch schon im Voraus wissen, wie zu verfahren ist. Ob es mal kurzfristig nötig ist, ihn „vor sich selber zu bewahren“ oder ob er eigenständig in der Lage ist, eine Situation angemessen gehandelt zu bekommen. Dieser gewiss sehr großen Verantwortung muss man sich wirklich aus vollem Herzen stellen wollen, und nicht nur, weil Spike ein auffallend ansprechender und hübscher Hund mit einem wahren Schmelzblick ist.

Ganz sicher sollte man zunächst die Hilfe eines sehr versierten Hundetrainers in Anspruch nehmen, damit die Weichen vom ersten Augenblick an richtig gestellt werden. Inwiefern es hilfreich wäre, wenn bereits eine souveräne Hündin im neuen Haushalt leben würde, müsste im Einzelfall erörtert werden. Manchmal ist es für einen unsicheren Hund sehr hilfreich, sich an einem coolen Ersthund orientieren zu können, je nachdem könnte es auf Dauer für Spike aber auch wieder Grund für Eifersüchteleien sein. Hier käme es sicherlich a uf die Chemie an, die zwischen den beiden Hunden vorherrscht und wir würden individuell entscheiden.

Wir wissen, dass es einmal mehr kein einfaches Unterfangen sein wird, Spike eine hoffnungsvolle Zukunft bescheren zu können. Aber wir werden alles daran setzen, die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen für ihn zu finden in Form von sehr verantwortungsvollen Menschen, die sich diese große Herausforderung zutrauen. Wir werden Sie in allem dabei unterstützen und können Ihnen sicherlich aus unserer doch recht beträchtlichen Erfahrung mit Hunden seines Kalibers mit Rat und Tat zur Seite stehen. Es gibt beispielsweise entsprechende Nahrungsergänzungsmittel, die gerade in der ersten Eingewöhnungsphase sehr hilfreich sein können, um das Stresslevel für Spike herunter zu fahren. Wir werden Sie nicht mit dieser Situation alleine lassen und wünschen uns in so einem Fall sogar ausdrücklich eine enge Einbeziehung.

Wenn Spike nun Ihr Interesse geweckt hat, scheuen Sie sich bitte nicht, sich mit uns in Verbindung zu se tzen. Nicht zuletzt wäre es gerade für sein letztes Frauchen eine große Erleichterung zu wissen, dass Spike nun endlich eine richtige Zukunft hat.

Spike Spike
Spike Spike
Spike Spike
Spike