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Trix

Post von Trix: 12.01.2017, 1 Brief(e)

Border-Collie, Rüde, kastriert, geb. ca. 2010, Größe: ca. 60 cm

Trix ist ein wunderschöner 6-jähriger, kastrierter Border Collie und wurde am Wochenende bei uns abgegeben.

Aus seinem vorherigen Leben ist uns übermittelt worden, dass er von klein auf bei einem Herrchen gelebt hat. Allerdings hat sich sein Herrchen mit ihm und zwei Katzen die letzten drei Jahre wohl weitestgehend von der Außenwelt isoliert und in einer eigenen kleinen Welt gelebt.

Trix ist in einem sehr guten Gesundheits- und Pflegezustand, außerdem ist er wohl erzogen und katzenverträglich. Das Schicksal nahm seinen weiteren Verlauf, als Trix´s Herrchen vor ein paar Wochen unerwartet verstarb. Soweit uns bekannt ist, muss Trix die letzten Stunden über sein Herrchen gewacht haben, allerdings kann niemand genau sagen wie lange der treue Hund Totenwache gehalten haben muss. Man geht von einem Zeitraum von bis zu 24 Stunden aus.

Die Angehörigen suchten nun ein guten Platz für Trix. Dieser war für den bildhübschen Kerl auch schnell gefunden. Ein Zuhause in einer Familie in der schon ein Hund lebte (und in der es auch schon vorher einige Hunde gab) und mit einer erwachsenden Tochter . Die Familie kümmerte sich darum, dass Trix umgehend kastriert und geimpft wurde, man besuchte mit ihm die Hundeschule, übte mit Hundetrainer, machte ihn sowohl mit kleinen wie mit großen Hunden bekannt und versuchte ihn ins Familienleben zu integrieren. Alles wäre problemlos gewesen, nur mit sehr kleinen Hunden hätte er leichte Probleme gehabt. Acht Wochen lebte Trix in der Familie. Dann soll er plötzlich und ohne erkennbaren Grund die Tochter in den Arm gebissen haben…

Die Polizei wurde gerufen, der Hund musste auf Wunsch der Familie noch am selben Abend das Zuhause verlassen und der Polizei blieb nichts anders übrig als Trix in einen geschützten Notfallzwinger des nächsten Tierheims zu bringen, wo er die Nacht alleine verbringen musste und vermutlich die Welt nicht mehr verstanden hat. Was in ihm vorgegangen sein muss ist für uns alle sehr gut vorstellbar.

Nun folgte ein Schlag auf den Nächsten. Wegen ungl aublich komplizierter, bürokratischer Schritte, die unter anderem auch der Polizeieinsatz nach sich zogen und weil das Tierheim bis zum allerletzten Platz gefüllt war, bat man die Familie Trix doch noch zwei Tage zu beherbergen bis sich eine Lösung gefunden habe. Warum auch immer die Familie das Angebot nicht annehmen wollte oder konnte, sie holten den Hund ab und wanden sich an uns mit der dringenden Bitte den Hund aufzunehmen, ansonsten müsste man den letzten Weg zum Tierarzt antreten. Sowas lässt uns alle hier erschauern. Nach zwei weiteren Telefonaten war Trix´s Weg zum Eifelhof geebnet! Am nächsten Morgen zog Trix bei uns ein.

Als ihn seine Familie bei uns zurückließ setzte er sich vor die Tür, durch die sie ihn verlassen hatten, und war kaum von dort weg zu bewegen. Gegenüber uns zeigte er sich sehr menschenbezogen und suchte immer wieder den Kontakt zu uns. Aber die Versuche, ihn in eins unser Rudel zu integrieren, misslangen alle.

Man muss sich nur mal vorstelle was in seinem hübschen Köpfche n nun alles vorging. Die letzten drei Jahre lebte er fast völlig abgeschieden ohne den Kontakt zu anderen Hunden und nun verdrehte sich seit Wochen seine Welt mehr und mehr. Tausend neue Eindrücke prasselten jeden Tag auf den verunsicherten Hund herab. Die anderen Tierheimhunde machten ihm unglaublich Angst, das Gebelle von soviel Hunden auf einmal, das Hochspringen an den Zäunen, die Nacht, alles machte ihm Angst. Im Auslauf isolierte er sich von den anderen Hunden. Er blieb vor der Tür sitzen, durch die wir ihn reingebracht haben. Stundenlang, selbst im Regen. Es brach uns das Herz! Bereits am nächsten Tag bemühten wir uns direkt um eine private Pflegestelle für Trix. Dank unser engagierten Ehrenamtler war die Pflegestelle schnell gefunden.

Die Pflegefamilie mit zwei Söhnen und einem Hund nahmen Trix gerne bei sich auf. Schon nach zwei Tagen zeigte sich was Trix wirklich braucht und dass ein waschechter Hütehund unter dem Mantel der Verunsicherung steckt. Sein Pflegefrauchen ist sein ein und alles, wen n es nach ihm gehen würde, dann würde er sie auf Schritt und Tritt verfolgen. Wenn sie das Haus verlässt, dann nimmt er zwar mit seinem Pflegeherrchen vorlieb, aber er wartet an der Tür bis sie wieder rein kommt. Die Söhne stellen für Trix kein Problem da. Allerdings ist er im Umgang mit den Jugendlichen sofort verunsichert, wenn seine Bezugsperson ihm nicht zur Seite steht. Aus Angst droht er an, sich im Fall der Fälle verteidigen zu wollen, tritt dann aber lieber den Rückzug an. Zu dem anderen Hund hat er von Anfang an ein gutes Verhältnis. Im Garten lässt sich Trix von ihm auch zum ein oder anderen Spielchen animieren. Aber man merkt ihm deutlich an, dass er die Hundegesellschaft nicht unbedingt braucht, ansonsten behandelt er den anderen Hund n ämlich eher wie Luft. Trix will lieber Menschen um sich haben. Obwohl ihn zu viele Menschen wieder verunsichern.

Wir wünschen uns für Trix Menschen, die auf jeden Fall sehr viel Erfahrung mit Hütehunden oder sogar speziell mit Border Collies haben. Die die Bed ürfnisse dieser besonderen Hunde in und auswendig kennen und damit umzugehen wissen. Idealerweise leben im Haushalt nur eine oder zwei Bezugspersonen. Sie sollten dem Hund vermitteln, dass sie der Anker für ihn sind, wenn er beim Welt entdecken in Unsicherheit verfällt. Sie sollten viel Zeit, Geduld und Gelassenheit mitbringen, damit Trix in Ruhe nachholen kann, was er in den letzten Jahren verpasst hat. Es kann gerne bereits ein souveräner Hund im Haushalt leben, von dem sich Trix sehr wahrscheinlich auch noch Vieles abgucken kann. Selbst wenn er so tut als würde er den zweiten Hund ignorieren, wird er mitbekommen, wie der andere Hund Situationen meistert, welche ihm noch Angst bereiten. Vom direkten Besuch einer Hundeschule ist zur Zeit noch abzuraten, ebenso Treffen mit großen Hundegruppen. Liebhaber dieser Hunderasse wissen, dass Hütehunde für ihre Bezugsperso nen über sich selbst hinauswachsen können. Wenn Sie Trix die Zeit und Sicherheit geben in seiner neuen Welt anzukommen und diese zu verstehen, dan n wird er wahrscheinlich genau das für Sie tun!

Update 10/2016

In der Pflegefamilie konnte Trix leider nicht bleiben, da er zunehmend den Sohn des Hauses "maßregelte", schließlich sogar nach ihm schnappte. Schweren Herzens wurde er wieder zum Eifelhof zurück gebracht.

Bereits wenige Tage später ergab sich die Möglichkeit, ihn in der Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" (Sendung vom 3.7.2016) beim WDR vorzustellen. Wie erhofft fanden sich schnell Interessenten und nach einer Kennenlernphase durfte Trix in ein neues Zuhause ziehen. Doch unsere Freude währte nicht lange, denn nach bereits drei Tagen wurde Trix ins Tierheim zurückgebracht. Er hatte sich seinem neuen Herrchen zwar bedingungslos angeschlossen, jedoch seine Frau wurde von ihm angeknurrt. Die Familie traute es sich nicht zu mit Trix zu arbeiten und ihn zu erziehen.

Man kann sich vorstellen, wie verstört Trix war. In einem Monat war das bereits das dritte Mal, dass er sein vermeintlich neues Zuhause verloren hat. Trix blieb nun i m Tierheim und trauerte. Er wartete an der Tür seines Auslaufs und heulte laut aus Verzweiflung. Trix war nur noch ein "Häufchen Elend".

Trix sollte nun ein Minimum an Kontinuität erfahren, soweit das in einem Tierheim möglich ist. Er sollte zur Ruhe kommen und die Stabilität erfahren, die ihm in den vorangegangenen Wochen abhandengekommen war. Inzwischen akzeptiert er das Leben im Tierheim, glücklich macht es ihn aber nicht! Kommen seine Gassigänger, dann verzehrt er sich regelrecht nach einer Aufgabe, nach Streicheleinheiten, nach Aufmerksamkeit und Zuwendung, von der er selbst so viel zu geben hat. Wenn er danach in seinen Auslauf zurück soll, muss man schon ein bisschen Geschick an den Tag legen, denn freiwillig geht er nicht gerne zurück. Inzwischen konnten wir Trix vergesellschaften und er lebt harmonisch mit seinem Rudel (kastrierte Rüden und Hündinnen) zusammen.

Trix ist rassetypisch sehr intelligent, lern- und arbeitswillig. Gleichzeitig zeigt er einen ausgeprägten Schutztrieb "seinem" Mensc hen gegenüber und würde für ihn durchs Feuer gehen. Seine Vertrauenspersonen wählt er nach Sympathie, nicht nach Geschlecht. Trix sollte zu einem, maximal zwei Menschen, mehr Familienmitglieder überfordern ihn. Er braucht eine klare Führung, sonst "übernimmt" er. Mit Sachverstand und Liebe, gegebenenfalls der Hilfe eines Hundetrainers, aber vor allem Konsequenz wird Trix zu einem wundervollen und treuen Begleiter fürs Leben!

Trix Trix
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