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Mara (ehem. Jessy)

Post von Mara (ehem. Jessy): 18.06.2016, 1 Brief(e)

Mischling, Hündin, geb. 08/2015, Größe: ca. 40 cm

Die zarte Jessy gehört zu jenen Hunden, die selbst uns immer wieder sehr viel Respekt abnötigen, wenn wir von der jeweiligen Vorgeschichte Kenntnis erlangen.

Jessy wurde schon als Welpe von ihrer "Familie" (falls man diese Menschen überhaupt so bezeichnen mag) über Wochen misshandelt, so dass sogar in ihrem Herkunftsland Bulgarien auf eine Anzeige hin die Polizei eingeschritten ist und Jessy durch Gerichtsbeschluss ihren ehemaligen Besitzern weggenommen wurde.

Wir mögen uns lieber nicht vorstellen, was überhaupt dazu geführt haben mag, dass Menschen gegenüber einem winzigen Welpen die Hand erheben, denn in unseren Augen rechtfertigt nichts dieses Tun auch nur ansatzweise. Nicht nur körperlich ist ein wehrloser Welpe extrem fragil sondern vielmehr auch psychisch, denn sein ganzes Sein und Tun ist auf bedingungsloses Vertrauen ausgelegt und in dieser Eigenschaft geht er absolut unbedarft und vertrauensselig in jede neue Situation hinein.

Was mag Jessy gedacht haben, als die ersten Schläge vollkommen unvermutet auf sie niedergeprasselt sind, dem Schutz ihrer Mutter bereits beraubt, die vielleicht sogar nie die Chance hatte, sich angemessen um ihre Welpen kümmern zu können? Sie wird wohl den winzigen Kopf eingezogen haben, alles daran gesetzt haben, ihr Gegenüber auf Hundeart zu beschwichtigen und alles richtig zu machen - doch es wird ihr nicht viel genützt haben. Wie oft die kleine Maus traurig, hungrig, verwirrt und voller Schmerzen eingeschlafen sein wird, können wir nun mutmaßen - und wir können dem Schicksal nur danken, dass aufmerksame und tierliebe Nachbarn dem durch ihr beherztes Einschreiten ein Ende gemacht haben. Was einmal mehr übrigens zeigt, dass es in JEDEM Land tierliebe Menschen gibt, unabhängig davon, wie schlecht der Ruf des Herkunftslandes - ob gerechtfertigt oder auch nicht - im Allgemeinen auch sein mag!

Wir jedenfalls sind heilfroh, dass Jessy den Weg über unser bulgarisches Partnertierheim zu uns hat finden können und wir fragten uns im Vorfeld ein wenig bang, was u ns bei ihr wohl erwarten würde. Würde sie eine zerbrochene kleine Hundeseele sein? Würde es uns gelingen, überhaupt Zugang zu ihr zu finden?

Jessy hat uns einmal mehr tief beschämt, denn bereits ein Blick in ihr süßes Gesichtchen zeigt ihren sanften Charakter, was es umso unverständlicher für uns macht, wie man die Hand gegen so einen Hund erheben kann. Sie ist vorsichtig, natürlich, aber das ist ihr ja wohl kaum zu verdenken! Doch sie hat sich die Neugier auf dieses Leben eindeutig bewahrt und wenn man sich ihr mit der nötigen Ruhe und der entsprechenden Körpersprache nähert - das heißt sie in keiner Form bedroht oder frontal anschaut und freundlich und leise anspricht - ist sie sehr wohl bereit, sich einem zu nähern.

Sie zeigt uns eines dabei ganz klar - nämlich dass sie kein überfließendes Mitleid möchte sondern vielmehr wie ein ganz normaler Hund behandelt werden möchte. "Na los, zeig mir endlich die Welt!", scheint sie uns vielmehr aufzufordern und wir haben ihr versprochen, dass wir nun die ri chtigen Menschen für sie suchen, die ihr mit der nötigen Ruhe und Klarheit endlich die Sicherheit im Leben geben können, die sie in der ersten Phase ihres Erdendaseins nicht bekommen hat.

Jessy hat Vieles nachzuholen und genau genommen fängt man bei ihr ganz von vorne an. Man kann nichts ungeschehen machen - aber man kann vieles wieder gut machen! Gut möglich, dass sie in gewissen Situationen - deren Ursprung wir natürlich nicht genau kennen - stets ein wenig schreckhaft bleiben wird, dass gewisse Geräusche oder Gegenstände sie stets kurz erschauern lassen und dass sie vor jeder plötzlich erhobenen Hand nachhaltig zusammenzucken wird. Vielleicht ängstigen Männer sie zunächst mehr als Frauen und sie muss sich langsam an ein hundegemäßes Leben herantasten, denn genau das hat sie bislang nicht kennengelernt.

Aber wir sind uns sicher, dass Jessy an der Seite von hundeerfahrenen und sensiblen Menschen all das nach holen kann, was sie bislang versäumt hat. Sie wird sicherlich die eine oder andere menschli che Hilfestellung dabei brauchen, ebenso wie ein souveräner und umweltsicherer Artgenosse eine ungeheure Erleichterung in ihrem neuen Leben wäre. Wir wissen nicht, inwiefern Jessy mit der Lebhaftigkeit und überschäumenden Energie von kleinen Kindern zu Recht käme, weswegen mögliche Kinder in der neuen Familie vorzugsweise bereits im Teenageralter sein sollten. Alternativ wären natürlich auch sehr hundeerfahrene und feinfühlige kleinere Kinder denkbar, so lange Jessy stets ihren Rückzugsbereich finden kann und diese Grenze allseits akzeptiert wird.

Insgesamt ist Sicherheit das Wichtigste, was Jessy künftig braucht, um sich in ihrem neuen Umfeld orientieren zu können. Ein gut strukturierter Tagesablauf lässt sie die Dinge besser kalkulieren, ebenso wie ein klar umrissener Rahmen, innerhalb dessen sie sich bewegen kann. Sie braucht Menschen mit einer klaren Führungslinie, die ihr mit liebevoller Konsequenz alles beibringen, was sie für ihr künftiges Leben braucht. Sie ist eine sehr intelligente uns höchst s ensible Hündin, die sehr genau hinzuschauen und zuzuhören vermag, sodass es eine wahre Freude sein wird, ihr neue Dinge beizubringen. Sie bringt den sprichwörtlichen "will to please" mit sich und selbst die Schatten der Vergangenheit konnten diese Veranlagung in ihr nicht dauerhaft vernichten.

Wer sich die Mühe macht, das Herz dieser zauberhaften Hündin für sich zu gewinnen, der wird eine lebenslange Partnerin auf vier Pfoten an seiner Seite haben, die enger kaum dem Menschen verbunden sein kann. Jessy ist bereit, dem Menschen erneut das Vertrauen auszusprechen - doch dieses Mal soll es ein Mensch sein, der dieses Vertrauen auch wirklich wert ist. Für den Rest ihres Lebens. Es wird gewiss ein wenig Mühe kosten, doch wir sind der Meinung, jeder Aufwand lohnt sich.

Mara (ehem. Jessy) Mara (ehem. Jessy)
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