zurück zur Übersicht

Leni (ehem. Kanela)

Mischling, Hündin, kastriert, geb. 03/2012, Größe: ca. 40 cm

Gestatten, hier kommt unser kleines Powerpaket Kanela! Zusammen mit ihrem Bruder Kenzo kam sie vor kurzem aus Spanien zu uns. Die beiden eint einmal mehr eine triste Vorgeschichte, denn sie haben vermutlich ihr ganzes bisheriges Leben in einem düsteren spanischen Hinterhof verbracht, bis aufmerksame Nachbarn die Hunde durch die Guardia Zivil aus dieser misslichen Lage befreien ließen. Bis die Guardia Zivil sich jedoch so einer Angelegenheit überhaupt annimmt, muss unter spanischen Verhältnissen tatsächlich schon einiges im Argen liegen, da dort die allgemeinen Ansprüche an eine artgerechte Hundehaltung in der Regel nicht mit den unsrigen zu vergleichen sind.

Wie auch immer, Kanela und Kenzo können von Glück sagen, dass sie diesem Lebensumfeld entrinnen konnten – auch wenn sie das vermutlich zunächst einmal gar nicht so recht haben einordnen können. Was wir mit ziemlicher Sicherheit sagen können, ist, dass die beiden bislang sehr isoliert gelebt haben und nur „sich selbst“ hatten, was insbesondere bei Kanela erklärt, warum sie mit Artgenossen so überhaupt gar nichts am Hut hat. Sie wird vielmehr, wie so häufig bei gegengeschlechtlichen Geschwisterpaaren, alsbald als weiblicher Part die Führung übernommen haben und gibt definitiv den Ton gegenüber Kenzo an. Der aber keineswegs glücklich mit diesem Arrangement scheint, sondern vielmehr einfach gar keine andere Wahl hatte. Kenzo würde mit Freuden Kontakt zu anderen Hunden aufnehmen, doch Kanela springt dann extrem besitzergreifend dazwischen, um genau das zu verhindern. Daher sind bislang alle unsere Bemühungen, die beiden in eine Hundegruppe zu integrieren, gescheitert. Zu groß ist Kanelas Sorge, der Bruder „könnte die Fronten wechseln“, denn vermutlich bezieht sie ein Stück weit ihre innere Sicherheit durch seine Anwesenheit. Aufgrund der bislang so isolierten Haltung ist ihr das natürlich nicht zu verdenken – doch nun soll sich das Blatt ja für beide Hunde wenden! Daher denken wir unbedingt, dass jeder für sich alleine seinen neuen Wirkungskreis finden sollte, um endlich das jeweilige innewohnende Potenzial entwickeln zu können.

Kanela ist nun auf der Suche nach einer Familie, die ihr einerseits den nötigen Rückhalt geben kann, andererseits aber auch ganz klare Grenzen und Strukturen aufzuerlegen vermag. Sie hat sich, notgedrungen, ja ein etwas seltsames Weltbild zurechtgelegt, in dem „ihr Wort Gesetz“ ist, aber genau diese Verhaltensspirale muss nun schnellstmöglich durchbrochen werden. Ideal wäre ein relativ ruhiges Umfeld, gerne mit einem eingezäunten Garten, damit Kanela ihrem enormen Bewegungsdrang und großen Nachholbedürfnis nachkommen kann. Kanela sucht auf jeden Fall einen Einzelplatz bei hundeerfahrenen Menschen, die ihr mit liebevoller Konsequenz beibringen, wie sie sich künftig zu verhalten hat. Menschen, die das entsprechende Grundverständnis für einen Hund mitbringen, der noch nicht viel von der Welt kennengelernt hat und der seine Energien noch gar nicht entsprechend einsetzen, geschweige denn zügeln kann. Sie ist noch sehr überschießend u nd impulsiv in ihrem Verhalten, gleich einem lodernden Vulkan, der jederzeit ein wenig explodieren kann und mit diesen Temperamentsausbrüchen muss man umgehen können – und wollen. Gut möglich, dass man diese Thematik öfter als einmal mit Kanela ausdiskutieren muss – unzweifelhaft, dass man genau das auch tun sollte, wenn nötig unter Einbeziehung eines versierten Hundetrainers.

Aufgrund ihrer Genetik und Optik vermuten wir jedoch einen nicht unerheblichen Jagdhundanteil – vielleicht eine Bracke – in ihr und Jagdhunde sind insgesamt als sehr menschenbezogene Hunde bekannt. Genau so präsentiert Kanela sich uns aktuell – sie kann gar nicht genug Streicheleinheiten abgekommen und bettelt förmlich um jede Zuwendung. Der Funke springt sofort über. Zudem hat Kanela noch nie in ihrem Leben irgendeine Art von körperlicher und geistiger Auslastung erfahren und kennt es praktisch noch gar nicht, einfach nur ein zufriedener, glücklicher Hund zu sein, der an der Seite seiner Menschen ein erfülltes Dasein führen kann. < p> Wie groß wird vermutlich ihr Erstaunen sein, wenn sie erfährt, dass es vollkommen unnötig ist, „so eine Welle zu machen“ und dass sie sich stattdessen vielmehr auf den Dialog mit dem Menschen einlassen kann? Dass ihr die Entscheidung abgenommen wird, wird sie gewiss insgeheim erleichtern. Ihre Hochtourigkeit wird nicht zuletzt das Produkt ihrer inneren Ausweglosigkeit gewesen sein, einfach weil sich nie jemand die Mühe gemacht hat, ihr Verhalten in die gewünschten Bahnen zu lenken.

Genau das aber soll nun geschehen – denn wir sind uns sicher, dass Kanela dann zu Höchstformen auflaufen wird – und zwar in der allerbesten Art und Weise! Ein von Hause aus temperamentvoller Hund, der gelernt hat, seine Anlagen in der vom Menschen gewünschten Art und Weise zu nutzen und einzusetzen, ist eine Bereicherung für jede Familie. Nicht nur optisch also kann Kanela künftig punkten – sondern auch als wohlerzogene Hündin, die gelernt hat, sich endlich voll und ganz auf den Menschen einzulassen. Doch wie so oft im Leben – vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Es wird also ein wenig Mühe kosten, Kanela von „der kleinen Wilden zu einer wohlerzogenen Hundedame“ zu verwandeln – doch wir sind uns sicher, dass Kanela jede Mühe wert ist! Lernen Sie sie doch einfach mal persönlich kennen.

Update 06/2016

Unser Gedanke, dass Kanela und Kenzo nur davon profitieren würden, wenn wir sie in unterschiedlichen Hundegruppen unterbringen würden, hat sich bestens bewährt. Wir haben Kanela mit unserem recht unbeeindruckbaren Kajtus vergesellschaftet, was sich als genau richtig erwiesen hat. Kajtus hat sich so überhaupt gar nicht von Kanelas Diven-Gehabe aus der Reserve locken lassen und sie sprichwörtlich „am langen Arm verhungern lassen“. Und wie das immer so ist im Leben, alles, womit man nun so gar nicht weiterkommt, ist irgendwann langweilig, höchst frustrierend und zu guter Letzt überflüssig. Somit zeigt Kanela uns nach dieser doch recht kurzen Zeit schon ein Stück ihrer anderen, weichen Seite, die letztlich d och in jedem Hund steckt. Es erstaunt aber auch uns immer wieder, wie schnell diese inneren Wandlungen zuweilen von statten gehen, sobald man dem Hund ein Umfeld bietet, das keinerlei Notwendigkeit mehr für unangemessenes Verhalten mit sich bringt. Kanela ist offensichtlich ein Hund, der sich relativ schnell den Wind aus den Segeln nehmen lässt, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Natürlich kann sie nicht innerhalb weniger Wochen zu einem stets entspannten und wohlerzogenen Hund mutieren und hier liegt nach wie vor ein gutes Stück Arbeit vor der neuen Familie. Aber unsere anfängliche Vermutung ist nun Gewissheit – nämlich dass ein sehr großer Anteil von Kanelas aufbrausender Art definitiv das Ergebnis der unsachgemäßen Haltungsbedingungen im alten Zuhause war. Wir können uns nun sogar vorstellen, dass sie als Zweithund mit einem wirklich souveränen Rüden zusammenleben könnte, vorausgesetzt, die Chemie stimmt zwischen den beiden Hunden.

Kanela hat jetzt eine erste Ahnung davon bekommen, was das Leben noch alles für sie bereithalten könnte, außer in einem düsteren Hinterhof dauerhaft eingesperrt zu sein. Aber das ist erst der Anfang. Wenn sie irgendwann mal ihr volles Potenzial entwickelt hat, wird sie zu den Hunden gehören, die sehr viel positive Aufmerksamkeit auf sich ziehe n und Sie werden sich vermutlich vor lauter Komplimenten kaum mehr retten können.

Leni (ehem. Kanela) Leni (ehem. Kanela)
Leni (ehem. Kanela) Leni (ehem. Kanela)
Leni (ehem. Kanela)