Post von Charlie

Brief vom: 03.04.2018

Hallo Tierhein-Team,

nach fast acht Jahren wollte ich Euch wissen lassen, was aus Eurem ehemaligen Sorgenkind geworden ist.

Mein Spitzname ist "Mallorquinisches Monster" da Herrchen noch nie einen so schwierigen Hund wie mich hatte! Er meint, ich sei eine Fehlkonstruktion, da mir der Rückwärtsgang fehlt.

Dabei hat alles so harmlos angefangen. Eines Sonntags schlug Herrchen vor, einfach mal ins Tierheim zu fahren (nur gucken!). Dann hat Frauchen mich gesehen und meinte ich sei ja wie FLOPPI (der erste Hund). Frauchen musste mich unbedingt haben, obwohl sie sich in einem ganz, ganz großen Irrtum befand. Bei den Probespaziergängen habe ich mich ganz unauffällig verhalten, um meine Vermittlungschancen nicht gleich zu zerstören.

Am 07.08.2010 war es dann soweit, ich bin in das neue Zuhause gekommen. Ich habe sofort versucht die Rudelleitung an mich zu reißen. Ich hatte einige sehr heftige Auseinandersetzungen mit SCHOKO, so dass bei Herrchen schon Zweifel aufkamen, ob ich bleiben könne! Schoko hätte sich die Rudelführung niemals nehmen lassen (sie trug nicht umsonst den Spitznamen "Spanische Kampfzicke"), deshalb bin ich nach einer Woche eingeknickt um im neuen Zuhause bleiben zu können. Herrchen hatte nun einen brauen und einen schwarzen "Schatten".

Bereits am ersten Tag habe ich Frauchens Schwager attackiert, da er meinem Feindbild (Mann, stark gebaut, dunkle und laute Stimme) voll entsprach. Wir sind auch nach sieben Jahren noch keine Freunde. An meinem dritten Tag im neuen Zuhause musste ich feststellen, dass eine fremde Frau mit Frauchens Auto vorfuhr und ausstieg. Ich dachte das kann nicht sein und bin in einem Satz über die Gartenmauer gesprungen und habe die Frau ans Auto genagelt (zum Glück ohne Bissverletzungen!). Seitdem müssen Herrchen und Frauchen ihre Autos wieder selber in der Werkstatt abholen!

Nach einer Woche kann Eure Kollegin zur Nachkontrolle und konnte bei der Errichtung eines Fangzaunes für mich zusehen. Sie musste jedoch auch feststellen, dass sich unser inniges Verhältnis schon stark abgekühlt hatte.

Nach ein paar Monaten wurde die eine Tochter nach Hochschulschluss freudig von drei Hunden im Vorgarten begrüßt. Das arme Mädchen hatte einen riesigen Schreck bekommen und fürchtete, ich hätte einen Wanderer oder den Schwager zerfleischt. Zum Glück war rein gar nichts passiert. Als Folge wurden an allen Türen, die nach draußen führten, die Türklinken durch Drehknöpfe ersetzt.

Nach einem halben Jahr kam es zu einem Krisengespräch in Frankenau, da mein Verhalten das Familienleben doch stark belastete. Als letzter Ausweg wurde meiner Familie eine private Hundetrainerin empfohlen, die dann alle zwei Wochen zum Training vorbeikam. Herrchen hatte zur Trainerin geäußert, dass Schoko mich erziehen würde. Sie reagiert mit einem zornigen Verweis, dass dies nicht Sckokos Aufgabe sei, sondern die der Hundebesitzer! Nach zwei Monaten räumte Sie dann jedoch ein ..... und Sie machst doch, höflich aber bestimmt!". Zum Abschied hat Sie noch Merktafeln mit Regeln zurückgelassen, die teilweise heute noch gelten wie z. B. "Keine Zerr- und Raufspiele!". Die Regel "Möbel sind für Hunde tabu!" gilt heute nur noch teilweise. Ich habe inzwischen eine eigene Decke auf der Couch, die ich ausschließlich benutzte. Eure Kollegen in Frankenau hatten trotz aller Bemühungen nicht viel Hoffnung und gingen davon aus, dass ich innerhalb eines Jahres zurückgebracht werde, was aber zu meinem Glück nicht geschah.

Außerdem habe ich von Anfang an den Hundeplatz besucht. Das habe ich immer gerne gemacht, da jede korrekte Aktion mit einem Leckerchen belohnt wurde. Eine Zeitlang musste ich jedoch mit Maulkorb antreten, da ich einem Herren in den Unterschenkel gezwickt hatte. Er hatte die Warnung des Trainers "Haltet Abstand von den Hunden und besonders von Charlie!" nicht ernst genommen. Bei aller Begeisterung hatte ich jedoch meine Probleme mit Abstandsübungen. Über längere Zeit wurde der Abstand bei der Ablage von 2m auf 5m, 10m 20m und 40m gesteigert. Solange ich mein Herrchen sehen kann bleibe ich inzwischen liegen. Herrchen hatte und hat mehr Stress mit Begegnungsübungen. Er kann sich nie sicher sein, dass ich brav links neben ihm sitzen bleibe, wenn ein Fremder ihn die Hand zur Begrüßung entgegenstreckt. Zwischenzeitlich kann er meine Körpersprache ganz gut lesen und dann kommt gegebenenfalls das Abbruchkommando wie "NEIN!" oder "Denk noch nicht mal dran!"

Irgendwann meinte der Trainer, dass ich nun bereit für die Begleithundeprüfung sei. Ich bin dann in die BH-Übungsgruppe gewechselt. In dieser wurde ich sehr bald als leuchtendes Vorbild herausgestellt, so dass die anderen Hundeführer sagten "Der Charlie ist keine Referenz für uns, der ist ein Profi!!". Kurz vor dem Prüfungstermin sollte das Chip-Auslesen geprobt werden. Zum Glück hatte Herrchen mir den Maulkorb aufgezogen. Ich kann doch nicht zulassen, dass eine fremde Frau mich anfasst und mit so einem Ding auf mir rumrührt! Ich habe mich mit allem mir zur Verfügung stehenden Mitteln gewehrt. Die Vereinsleitung hat mich daraufhin sofort von der Prüfung abgemeldet. Herrchen und ich haben der Prüfung von weitem zugesehen! Ich hätte die Prüfung mit 1+ bestanden! Heute sagt der Trainer, dass mein Herrchen ganz komische Hunde habe, der eine wolle Ihn Fressen (das bin ich!) und der andere wolle Ihn Knutschen (das ist CHICO, der Neue!).

Im Mai 2013 ist die Rudelführerin SCHOKO im biblischen Alter von 16 Jahren gestorben. CURRO und ich haben daraufhin eine Männer-WG gegründet (Herrchen ahnte nicht wie wichtig CURRO für mich war!!!).

2015 haben sich meine Besitzer das erste Mal getraut mich mit nach Ameland in Urlaub zu nehmen. CURRO blieb zuhause, da ihm das Haus wichtiger erschien als seine Menschen (wie eine Katze!). Ich habe den Urlaub genossen, weil ich immer und überall dabei war, denn ich durfte nicht alleine in der Ferienwohnung bleiben. Wenn sich Frauchen im Restaurant irgendwas bestellt hatte, was ihr nachher doch nicht schenkte so habe ich die Reste bekommen wie Schweinfilet in Erdnusssoße, Ameländer Lamm, Flugente, usw.. 2016 ist dann CURRO auch mitgefahren, ohne Heimweh zu bekommen. 2017 war dann schon der Neue, CHICO mit dabei.

Im November 2016 ist CURRO plötzlich schwer krank geworden. Beim Tierarzt wurde im Magen ein metallischer Gegenstand festgestellt, der leider nicht von alleine wieder herauskam. Bei der Operation wurde zudem festgestellt, dass CURRO Krebs hatte. Also haben Frauchen und Herrchen beschlossen CURRO gar nicht wieder wach werden zulassen. Das war vielleicht die richtige Entscheidung für CURRO, doch an mich hatte keiner gedacht, ich kann nämlich nicht alleine bleiben, was bisher keiner gemerkt hatte! Als Frauchen und Herrchen eines Tages nach Hause kamen, da hatte ich mir an der Tür nach draußen die Pfoten blutig gekratzt (blöde Drehknöpfe) und war anschließend über die gepolsterte Rundbank, die Couch, den Teppich gelaufen. Sogar der Bezug vom Toilettendeckel war voller Blut. Als erste Maßnahme wurde dann ein Hundesitter besorgt und nach einem neuen Hund Ausschau gehalten. Herrchen hatte auf eine Podenca wie SCHOKO gehofft, auf Betreiben Frauchens ist die Wahl jedoch auf CHICO gefallen. Ich wurde auch gefragt und habe zugestimmt. Diese Zustimmung habe ich jedoch schwer bereut, da der kleine einfach nicht verstehen wollte, dass ich als alter Hund kein Interesse an Welpenspielen habe. Meine Duldsamkeit (die Herrchen nie so erwartet hat) hat ein nun ein Ende und der Kleine kriegt jetzt klare Ansagen wann er nervt. Stellenweise fang ich sogar an ihn zu erziehen, so wie das SCHOKO bei mir auch gemacht hat!!

Wenn's was Neues zu berichten gibt, melde ich mich wieder!!!!

Bis Bald!

Charlie Charlie Charlie Charlie Charlie