Post von Cosma

Brief vom: 22.07.2013

Hallo Frau Töpfer,

nachdem Cosma jetzt fast eine Woche bei mir ist (morgen muss ich wieder ins Büro, da wird es mit dem Schreiben eng) will ich einen kurzen Bericht über die ersten Tage geben.

Erstmal hoffe ich, der Sekt hat Ihnen allen geschmeckt ;-)

Cosma hat die ersten Tage ohne größere Blessuren überstanden, die Herde ist recht friedfertig, von 1, 2 Störenfrieden abgesehen. Trotzdem steht sie jetzt erstmal am unteren Ende der Hierarchie und hat noch keine festen Freunde gefunden. Sie macht allerdings einen zufriedenen Eindruck und ist sehr, sehr brav. Sie kommt mir entgegen, wenn ich sie hole (jetzt auch schon ohne Eimer), geht brav am Strick, kommt auf den Paddock, als hätte sie nie was anderes gemacht, auch wenn die anderen Pferde weit entfernt im Wald stehen und (festhalten!) lässt sich die Hufe auskratzen. Vorgestern hat sie den rechten, gestern auch den linken Hinterhuf angekippt und von mir aufnehmen lassen, und dann in aller Ruhe gewartet, bis ich fertig war.

Na, ich denke, wenn sie sich noch weiter eingelebt hat, wird sie sich auch mal wieder etwas einfallen lassen ;-) Auf alle Fälle bin ich superglücklich mit meiner Prinzessin und möchte Ihnen und Ihrem Team noch einmal für Ihre Unterstützung bei diesem "Projekt" danken!

Viele Grüße aus Bonn
Dunja K.

Cosma

Brief vom: 25.09.2014

Hallo Frau Töpfer,

endlich ist es vollbracht, der Artikel u. die Fotos von Cosma sind fertig. Ich hoffe, Sie können den stark verspäteten Beitrag noch für die Tierheimzeitung verwenden.


Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Kaltblutwallach, als ich im Oktober 2012 zum Eifelhof fuhr, um mir die dortigen Pferde anzusehen. Als mir allerdings die Westfalenstute Cosma vorgestellt wurde, verlor ich mein Herz auf der Stelle.

Da der Eifelhof und ich uns aufgrund von Cosmas Zustand gegen einen Umzug vor dem Winter entschieden besuchte ich sie in den nächsten Monaten an den Wochenenden, damit wir beide uns kennenlernen konnten. Das erwies sich als sehr kluge Idee, denn mit einem schnellen Umzug wäre auch ich überfordert gewesen; Cosma reagierte panisch, sobald sie vom Rest der Herde weggeführt wurde. Zudem hatte sie immer mal wieder aggressive Phasen, mit denen ich erst umzugehen lernen musste.

Trotz des langen Winters legte sie ordentlich Gewicht zu und im Juli 2013 war es dann endlich so weit, Cosma zog nach Bonn. Hier durchlebten wir in den ersten Monaten einige Höhen und Tiefen. Da sie nur mit Sedation beschlagen werden kann, sie diese aber nicht gut vertrug war es ein Auf und Ab sowohl in Bezug auf ihren Gesundheitszustand als auch ihre Stimmungslage. Im November erschreckte sie mich furchtbar, als sie auf der Weide lag und nicht mehr aufstehen wollte. In der Klinik stellte sich heraus, dass sie völlig dehydriert war; wegen ihrer angeschlagenen Hinterhand hatte sie wohl den Weg zur Tränke nicht mehr geschafft, der durch eine nasse Senke führt. Also war für den Rest des Winters Wasser schleppen angesagt. Dank der Unterstützung meiner Tier-HP stabilisierte sich ihr Zustand jedoch langsam aber sicher. Sie integrierte sich gut in die Herde, legte weiter Gewicht zu, und baute allmählich Vertrauen zu mir auf.

Inzwischen ist sie sehr zutraulich geworden, genießt Streicheleinheiten und absolviert tapfer ihr tägliches Lauftraining, das ihre Hinterhand stärkt. Sie ist eine richtige Schönheit geworden, auf die ich bei unseren Spaziergängen oft angesprochen werde. Auch die Sedationen verträgt sie nun besser. Ich hoffe sehr, dass wir noch viele gemeinsame Jahre verbringen werden. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, an dieser Stelle ein paar Worte zum Thema Pferdehaltung zu sagen, die mir am Herzen liegen. Ein eigenes Pferd zu haben ist sehr schön, aber auch kosten- und zeitintensiv. Eigentlich ist das bekannt, dennoch sind dies Aspekte, die bei der Anschaffung oft nicht ausreichend berücksichtigt werden. In der Zeit, in der ich mich nun mit Pferden beschäftige sah ich allzu oft, dass beim Erwerb eines Pferdes nur daran gedacht wird ein "Reittier" zu haben. Dass es eine Zeit nach dem Reiten geben wird, wird gerne verdrängt. So sehe ich immer wieder Pferde, die aufgrund ihres Gesundheitszustands gar nicht mehr geritten werden dürften, oder solche, die einfach auf einer Weide "abgestellt" werden, getreu dem Motto, da ist ja Gras, das reicht, mehr haben Pferde in der Natur ja auch nicht (doch, die Pferd in der Natur haben viel größere Flächen zur Verfügung, die nicht nach kurzer Zeit abgegrast sind!). Kranke und / oder unterernährte Pferde sind deshalb keine Seltenheit, und nur ein kleiner Teil hat das Glück, auf einem Gnadenhof wie dem Eifelhof zu landen. Ein Pferd sah ich in den vergangenen Monaten sehr elend zugrunde gehen, weil die Besitzer kein Geld für die Klinik ausgeben wollten oder konnten. Das erscheint mir ganz untragbar. Mit einem Pferd (und natürlich anderen Tieren) übernimmt man die Verantwortung für ein lebendiges Wesen, das dauerhaft auf unsere Pflege angewiesen ist.

Ich möchte deshalb jeden, der mit dem Gedanken spielt ein Pferd anzuschaffen bitten, darüber nachzudenken, ob er langfristig (!) in der Lage ist, sich darum zu kümmern. Pferdehaltung ist teuer! Es ist nicht mit dem Offenstallplatz für 150 oder 200 Euro, ab und zu Hufschmied und ein bisschen Futter getan. Tierarztkosten entstehen immer und sehr schnell auch in Höhe von mehreren Tausend Euro. Dies kann auch schon bei einem jungen Pferd passieren, wenn es sich z.B. eine Sehnenverletzung zuzieht (was durchaus nicht selten ist). Außerdem sollte man genug Geld für gute Trainings einplanen. Wie viele Pferde gibt es, die noch immer mit Gewalt gefügig gemacht werden. Der "Klaps" auf die Nase oder Schläge mit der Gerte bei "Widersetzlichkeiten" ist nach wie vor gängige Praxis, auch in Reitschulen. Bei Cosma war es mir wichtig, sie keinen neuen Gewalterfahrungen auszusetzen, denn ihr anfängliches Verhalten sprach Bände.

Es erwies sich, dass eine Behandlung der Leber, die unter den Vorbesitzern wohl dank intensiven Medikamenteneinsatzes gelitten hatte, ihre Aggressivität innerhalb von kurzer Zeit stark besserte. Bis dahin hieß es mit Geduld und nicht mit Strafe zu reagieren. Die allermeisten "Widersetzlichkeiten" dürften gesundheitliche Gründe oder eine falsche Behandlung oder auch Fütterung als Ursache haben, werden aber gerne als "Show", Schauspielerei oder Zickigkeit abgetan. Damit stiehlt sich die/der, oft ziemlich hilflose Besitzer/in aus der Pflicht, nach seiner/ihrer eigenen Verantwortung zu schauen und entsprechend aktiv zu werden.

Pferdehaltung ist zeitaufwendig, je nach Unterbringungsart und Erziehungsstand. Auch dies sollte vor einem Kauf in die Überlegungen mit einbezogen werden. Ist auch nach der Schulzeit / dem Studium / während des Jobs / mit Kindern noch genug Zeit? Natürlich kann man nicht wirklich 20 Jahre in die Zukunft blicken, aber einige Veränderungen sind durchaus vorhersehbar. Pferde können je nach Rasse 30 Jahre oder älter werden, und die Pflege wird im Zweifel im Alter aufwändiger.

Ist man sich beim ehrlichen Bedenken dieser Punkte nicht sicher bedeutet das ja kein Leben ohne Pferd. Es gibt genügend Leute, die sich über eine Reitbeteiligung freuen, oder natürlich Reitschulen unterschiedlichster Couleur, die eine Beschäftigung auf Zeit mit Pferden ohne weitere Verpflichtung ermöglichen.

Reiten ist ein schöner Sport, aber das Wohl des Pferdes über seine gesamte Lebensdauer sollte immer an erster Stelle stehen.


Viele Grüße,
Dunja K.

Cosma